• Wenn der Notarzt Dich sprachlos macht …

    Wenn der Notarzt Dich sprachlos macht …

    Letzte Woche Freitag! Anruf aus der Schule: „Frau Leithe, Ihre Tochter ist umgekippt, der Notarzt ist unterwegs, können sie bitte schnell kommen?“

    Natürlich!

    Während ich, jede Ampel und den vor mir her schleichenden Opa verfluchend, in die Schule rase, sage ich mir mein Lieblingsmantra: „Alles ist gut!“

    Gedanken wie „Warum kippt die denn einfach um?“, „Ob sie immernoch bewusstlos ist?“, „Dir wird doch nicht K… haben?“ (ich mag es nicht ausschreiben, ich wage es ja nicht mal zuendezudenken geschweige denn auszusprechen, aber der Gedanke war halt kurz da.)

    „ALLES IST GUT!“

    Als ich vor der Schule auf den Parkplatz gegenüber einbiege, sehe ich zwei Schülerinnen halb auf der Straße stehen um den Krankenwagen einzuweisen.

    „ALLES IST GUT!“

    Ich frage die zwei ob ich etwa vor dem Krankenwagen da bin. -> Ja!
    Wo ist sie denn? -> Das zeigen Ihnen die zwei da hinten!

    „ALLES IST GUT!“

    Zwei weitere Schülerinnen stehen am Eingang in die Schule. Ich rase hin.
    Ich: „Wo ist meine Tochter denn?“
    Schülerin: „Sie liegt im Bioraum, ich zeig es Ihnen.“
    Ich: „Ist sie bei Bewusstsein?“
    Schülerin: „Es war mitten in meinem Vortrag, sie ist einfach umgekippt, Herr U. hat sie zum Glück aufgefangen…“
    Ich: „IST! SIE! BEI! BEWUSSTSEIN?“

    Zum Glück kommen wir gerade an, mein Kind liegt in stabiler Seitenlage vor der Tafel auf dem Boden und hat die Augen auf. Sie ist leichenblass, ihr ist tot schlecht und sie mag nicht reden oder angefasst werden. Der Lehrer erzählt mir sie wäre nur kurz weg gewesen und seit dem lieber liegengeblieben. Ich sehe mich um. Außer uns sind noch 4 Schülerinnen anwesend die alle mitleidend gucken. Im Hintergrund hören wir das Martinshorn und warten. Mein Blick wandert zur Tafel und ich lache auf. Eine Seite des Vortrags leuchtet noch vor sich hin und verkündet ´die Beschaffenheit von Bodenbakterien´. „Nah, davon haste dich ja wohl gleich selbst überzeugen wollen!“ witzel ich vor mich hin als der Krankenwagen eintrifft.

    Die Sanis kommen mit Ihren schicken Riesenrucksäcken, packen ein Messgerät aus, verkabeln mein Kind und kontrollieren Puls und Blutdruck. Beides schwach aber vorhanden. Der Bauch wird abgetastet, sie wird ausgefragt und bei der Frage: „Hat denn schon Jemand die Eltern informiert?“ stelle ich mich als Mutter vor.

    Rettungsassistent: „Hat sie irgendwelche Allergien?“

    Ich: „Allergien nicht, aber eine Histaminintoleranz!“

    Rettungsassistent (oder Notarzt, da bin ich mir nicht mehr so sicher): „Bitte was? Das geht doch gar nicht! Gegen Histamin kann man nicht intolerant sein. Das ist ein körpereigener Stoff!“

    Ich: „Ja ist es, und wenn wir zuviel davon zu uns nehmen oder im Körper freisetzen kommt das nicht sooo gut! Allerdings ist sie deshalb noch nie umgekippt und hat auch noch nichts falsches gegessen!“ Das war natürlich nach Ankunft meine erste Frage an sie gewesen.

    Rettungsassistent: „Das hab ich ja noch nie gehört!“

    Es ist unfassbar. Ein ausgebildeter Rettungsassistent (ich habe grad nachgesehen, die machen eine dreijährige Ausbildung) hat noch nie davon gehört! Ich bin sprachlos.

    Obwohl

    … selbst Ärzte nehmen das nicht wirklich ernst. Bei einer OP-Besprechung hieß es nur, ja ja, ich guck mal nach.
    Dabei kann es bei einer Falschbehandlung echt ernst werden.

    Meine letzte schlimme Erfahrung in diese Richtung habe ich beim Kaiserschnitt des letzten Kindes gemacht. Seinerzeit wusste ich noch nichts von meiner Intoleranz. Ich wusste nur, dass mir von dem Narkosemittel immer schlecht wurde, also gab man mir nach der Spinalanästhesie (die, wie ich heute weiß, Histamin freisetzt, was mein Körper nicht ausstehen kann) einfach direkt mal Sauerstoff über eine Maske auf Mund und Nase. Irgendwas stimmte aber mit der Maske nicht und ich zog sie wieder weg. Einer drückte sie mir wieder auf den Mund und zog das Gummi fester, ich zog sie wieder weg weil ich keine Luft bekam.
    „Das glauben sie nur, sie müssen ganz normal weiteratmen!“
    Witzkringel! *böserblick*
    Das spielten wir noch zwei oder drei mal bis Jemand bemerkte: „Ups, der Schlauch ist ab. Sie atmen Ihr Kohlendioxid die ganze Zeit wieder ein.“ Da war es aber schon zu spät, mein Kreislauf sackte weg, und ich auch. Man gab mir Adrenalin. Das machte alles aber nur noch viel schlimmer, denn Adrenalin führt zu Herzrasen und Unruhe also Stress und was macht der Körper … er schüttet noch mehr Histamin aus. Der GG flog raus aus dem OP und ich bekam so lange andere Mittel bis mein Kreislauf stabilisiert war.

    Bisher dachte ich ja immer, ich (und auch unsere ebenfalls betroffene Tochter) sollte unbedingt einen Zettel bei mir haben, dass ich unter dieser Intoleranz auf Histamin leide, aber wenn das eh keiner kennt ….

    Wenn man ´Histaminunverträglichkeit´ googelt, kommen 68.900 Ergebnisse und bei ´Histaminintoleranz` sogar 973.000 Vorschläge. Die ersten sind Anzeigen. Das heißt die Werbeindustrie hat das als Schlagwort auch schon für sich entdeckt. Lieferanten von Tiefkühlkost und Supermarktketten und Allergieratgeber schreiben Empfehlungen wie man sich mit HIT (was übrigens keine Allergie sondern eine Intoleranz ist) ernähren soll. DIE kennen das, aber unser Rettungsassi leider nicht. 🙁

    Ich werde uns also mal lieber eine ganze Gebrauchsanleitung machen. Was sie uns geben dürfen und was nicht.

    Meiner Tochter geht es übrigens gut. Sie ist nicht mit ins Krankenhaus gefahren, streng genommen hätten sie sie mitnehmen müssen, und auch eine Infusion habe ich abgelehnt. Ich hab sie mit nach Hause genommen, denn nach dem aufsetzen und einigen Minuten ging es ihr wieder ganz gut.

    Ursache unbekannt, bei 16 Jährigen Teenagern aber nicht ungewöhnlich.


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  • Weihnachten? Wo? #12von12 im Dezember 2019

    Weihnachten? Wo? #12von12 im Dezember 2019

    Es ist still auf dem Blog, ich weiß! Aber das hat gute Gründe. Weihnachtsstress ist es nicht. 😉 Wir sind über die Tage nämlich im Skiurlaub und ich muss nur Geschenke vorbereiten. Das geht gut.

    Nein, es gibt Neuigkeiten! 🙂 Wir ziehen zurück nach NRW. Und Haussuche ist ein Vollzeitjob, den ich hier nun auch noch so ganz nebenbei erledigen darf. Macht aber auch voll Spaß!

    Nun aber zu den 12 Fotos am 12. des Monats.

    Der Tag begann wie immer mit Frühstück. An das Foto hab ich erst gedacht als der Tisch schon abgeräumt war. *kicher*

    Während ich das Foto machte wurde mir klar, dass der GG mit Sicherheit mit seinem Auto losfahren will. Das war aber vollgepackt mit Sachen die ich für die morgendliche Weihnachtsfeier in die Schule des Spanienkindes bringen wollte. Also kurzer Anruf und Schlüsseltausch.

    Aus der Spülmaschine habe ich dann schnell unsere Reagenzgläschen und Erlenmeyerkolben und sonstiges Laborgedöns geholt und bruchsicher verpackt. Das ist immer unsere Partydeko für die Cocktail-Giftküche und wir leihen die der Klasse für den Weihnachsmarkt.

    Und der Schreibtisch schreit auch schon ganz laut. Also auf gehts zur Immobiliensuche und überarbeiten der Website. Ich hab wieder mehr gute Ideen als Zeit. Alles wie immer.

    Nach einer Stunde konzentriertem Arbeiten fiel mit ein, dass der Hausarzt noch ein paar Bluttest-Ergebnisse für uns hat. Also schnell rüber und abholen. Ist zum Glück nur eine Straßenecke weiter.

    Wieder Zuhause hat die TT, die total erkältet auf dem Sofa vor sich hin leidet, Hunger. Als Gute Mutter bringe ich Ihr selbstverständlich ein zweites Frühstück. 🙂

    Nach dem Mittagessen fahre ich schnell in die Schule und liefere die eingekauften Getränke, Laborgläser und sonstiges Zubehör aus.

    Die Kisten mit dem Zeug für die Weihnachtskarten platziere ich mitten auf den Küchentisch. Die MÜSSEN heute endlich fertig werden.

    Bevor ich in den Hort fahre um den Sonnenschein und die beiden Nachbarjungs abzuholen gönne ich mir noch einen Kaffee in aller Ruhe. Heute musste als Beilage der Schoko-Weihnachtsmann vom Nikolaus dran glauben.

    Die Jungs werden wir alle echt vermissen. Der Sonnenschein und die Söhne der Nachbarn sind schon eine ganz besondere Kombo.

    Nach dem Abendbrot habe ich für Morgen noch schnell ein paar gebrannte Mandeln vorbereitet. Die trocknen nun über Nacht und schmecken besser als alles was wir bisher auf den Weihnachtsmärkten dieser Welt probiert haben. Und wir haben EINIGE kennengelernt.
    Die gibt es morgen Abend zur Einstimmung auf das dritte Adventswochenende. Hier muss langsam mal Weihnachtsstimmung aufkommen!

    Die Weihnachtskarten haben wir den gesamten Nachmittag fertig gebastelt. Das Beschriften der Umschläge wird nun mein heutiges abendfüllendes Programm.

    So, das waren sie wieder! Die Einblicke ins Privatleben. *zwinker*

    Die 12 von 12 der anderen Blogger findest du wie immer hier.

  • Sport, Saft & Sonnenbank #12von12 im November 2019

    Sport, Saft & Sonnenbank #12von12 im November 2019

    Heute habe ich es nicht nur endlich schon wieder geschafft bei 12von12 mitzumachen, sondern sogar alle Fotos über den Tag verteilt auf meinem Instagram-Account zu posten. 🙂

    Ich verlinke heute also einfach mal frech die Insta-Posts, denn da habe ich auch für meine Verhältnisse viel geschrieben.

    https://www.instagram.com/p/B4wbZ_7oUEJ/?utm_source=ig_web_options_share_sheet

    Ich bin gespannt wie die nächste Nacht wird.

    https://www.instagram.com/p/B4wdOwCIzYW/?utm_source=ig_web_options_share_sheet

    Zum Abendessen gibt es also viel gesundes Brot.

    https://www.instagram.com/p/B4wotVUIY8i/?utm_source=ig_web_options_share_sheet

    Das Licht war so komisch, ich bin NICHT so rot verbrannt. Das Foto habe ich nämlich VORHER gemacht. 😉

    https://www.instagram.com/p/B4w0qcWIc8R/?utm_source=ig_web_options_share_sheet

    Sport frei, wie man hier im Osten sagt. 😀

    https://www.instagram.com/p/B4w9ldeopQh/?utm_source=ig_web_options_share_sheet

    Ja, es ist viel Schlepperei, aber die Kinder sind endlich alle groß genug um mit Glas statt Plastik umzugehen.

    https://www.instagram.com/p/B4w-q5cosyH/?utm_source=ig_web_options_share_sheet

    Ich bin gespannt wann ich mal was vergesse. Wenn der Beleg in meinem Portemonnaie nicht immer wieder auftauchen würde, ich hätte es nie abgeholt.

    https://www.instagram.com/p/B4xAuN7IJbV/?utm_source=ig_web_options_share_sheet

    Das wir nicht vor der Tür parken können ist ab und an ganz schön unpraktisch, aber so lernt die Große wenigstens Kupplung kommen lassen und Gas geben. UND bremsen.

    https://www.instagram.com/p/B4xCFS3Ikrk/?utm_source=ig_web_options_share_sheet

    ICH! HABE! GEKOCHT!

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    Wieviel Maschinen hast du so die Woche?

    https://www.instagram.com/p/B4xL0RXIrtM/?utm_source=ig_web_options_share_sheet

    Sie können also doch mal ohne streiten! 🙂

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    Diesen Pass gibt es in Sachsen für alle Kinder bis zur 10. Klasse.

    https://www.instagram.com/p/B4xdcIgIRdV/?utm_source=ig_web_options_share_sheet

    Statt fernsehen also hier neuerdings lieber daddeln. Aber vielleicht braucht mein Hirn einfach mal andere Art von Entspannung. Wir werden sehen wie schlimm diese Sucht wird. 🙂

    In diesem Sinne, die 12von12 der anderen Blogger findest du unter Draußen nur Kännchen.

  • oh! what! a! day! … ODER … es gibt so Tage …!

    oh! what! a! day! … ODER … es gibt so Tage …!

    Gestern war es wieder soweit! Der gesamte Tag ist eskaliert!

    Hochmotiviert habe ich mich Morgens nach einem Arzt-Termin an den Schreibtisch gesetzt um die Sachen, die ich gestern nicht fertig bekommen habe im Co-Working-Büro, zu beenden.

    Aber Erstens kommt es Anders, und Zweitens … #kenntmanja

    Da ich vom Doc mit einem Langzeit-EKG ausgestattet wurde (andere lange Geschichte!) und heute den ganzen Tag notieren muss was genau ich wann mache, liegt hier ein genauer Zeitplan vom heutigen Tag. So kann ich detailliert erzählen wie es mal wieder so war im Leben der Familienmanagerin. *seufzendaugenroll*

    08:50 Uhr – Lungenfunktionstest *hechel*

    09:00 Uhr – zu Fuß nach Hause vom Doc

    09:02 Uhr – im OG lüften, Betten aufschlagen, die Wäsche, die ich vor dem Doc angestellt hatte, ist leider noch nicht fertig

    09:15 Uhr – hochmotiviert sitze ich am Schreibtisch und öffne die Programme. Lese ein paar Mails.

    09:25 Uhr – Toilette, anschließend weiter Mails lesen und bearbeiten

    09:48 Uhr – Anruf der völlig atemlosen TT aus der Schule: „Mama, ich glaube Spanienkinds Fahrrad wurde geklaut! , da lief so´n merkwürdiger Typ durch die Gegend, dann ging der Alarm an einem der Fahrräder vor der Schule los und ich glaube nur wir haben so ein Schloss! Ich wollte Dich nur vorwarnen.“ Mein Puls schnellt in die Höhe, ich stelle mir bildlich vor wie das EKG-Gerät, da an meinem Hals baumelt, implodiert.
    Mein echter Hals explodiert, das ist nämlich seit Anfang Mai das ZWEITE Fahrrad was uns geklaut wurde. *hysterischkreisch*
    „Bist du sicher?“ – „Nein, aber ich kann es nicht finden!“ – „Frag bitte in der nächsten Pause K2!“ *augenrollendaufleg*

    09:50 Uhr – Prompt piepst oben im Bad die Waschmaschine. Und wenn ich eh schon in Wallung bin, dann kann ich meine Wut auch gleich an der Wäsche auslassen. Also hoch, Wäsche in den Trockner und auf den Bügel, neue Wäsche in die Maschine.

    09:58 Uhr – sitze ich wieder am Schreibtisch und möchte endlich loslegen, da fällt mein Blick auf den Überweisungsschein zum Facharzt. Komm da mach ich schnell einen Termin.
    Praxis 1: „wir nehmen keine neue Patienten.“ – „aber für meinen Mann habe ich doch letzte Woche noch einen Termin bekommen!“ – „Nein, tut mir leid!“
    Praxis 2: „frühestens im Mai nächstes Jahr.“ – „WAS, und wenn ich bis dahin tot bin?“ – „Dann muss ihr Hausarzt die Dringlichkeit bei uns anmelden!“
    Praxis 3: besetzt
    Praxis 4: nimmt niemand ab
    Praxis 3 nochmal: nimmt niemand ab
    Praxis 4 nochmal: nimmt immernochniemand ab
    Praxis 3 nochmal: „da melden sie sich bitte wieder Anfang Dezember, da machen wir wieder neue Termine.“

    10:48 Uhr – Entwarnungs-What-App der TT, das Fahrrad ist da

    11:00 Uhr – Frühstück, ich muss erstmal was essen und brauche Kaffee

    11:35 Uhr – sitze ich am Schreibtisch und überlege ob ich noch eine 5. Praxis anrufe oder endlich mal arbeite.

    11:41 Uhr – Anruf Schule, können sie bitte Ihr Kind abholen, das sitzt hier mit Brustschmerzen. Also doch. Er klagte gestern schon über Schmerzen und angeblich waren die Morgens schlimmer geworden.

    11:50 Uhr – Autofahrt, Telefonat mit Kinderarzt: Jetzt oder wann? oder lieber gleich in KKH -> „Kommen sie erstmal her um 14:00 Uhr“

    12:00 Uhr – Sekretariat, und was machen wir mit Deinem Fahrrad? Der GG ist natürlich mit dem großen Auto zum Flughafen auf Geschäftsreise gefahren und ich krieg das nicht mit.

    12:23 Uhr – sitze endlich am Schreibtisch und erbitte eine Stunde arbeiten zu können, die TT ist aber zwischenzeitlich auch aus der Schule zurück (ich hasse diesen Stundenplan) und quatscht mich aufgeregt voll. Wer hat denn hier heute wieder Quasselwasser verteilt.

    13:35 Uhr – Abfahrt zum Kinderarzt

    14:00 Uhr – Aufnahme der Daten für die Unfallmeldung, denn dem Spanienkind ist eingefallen, dass er am Vortag auf dem Schulhof eine Hand eines unbekannt rasenden Mitschülers vor die Brust bekommen hat. Dummer Zufall, aber er bekam kurz keine Luft und es war also ein Unfall auf dem Schulgelände, der der Unfallkasse gemeldet werden muss. *stöhn*

    14:10 Uhr – Untersuchung -> Prellung oder Bruch der Rippe oder des Brustbeins, geben sie Schmerzmittel und wenn die nicht helfen dann eben doch in die Chirurgie, aber … zum Durchgangsarzt oder in die Uni-Klinik. Was übersetzt 3-4 Stunden Wartezeit bedeutet.

    14:20 Uhr – schnell noch die Absprache des Allergietests des Sonnenscheins, das Ergebnis des Bluttest sagt eindeutig Cashewkerne & Pistazien, „da machen sie am besten mal eine Provokation unter Aufsicht in der Klinik und dann sehen wir weiter“.

    14:30 Uhr – an der Anmeldung Rezepte und Überweisungen holen und ab in die Apotheke

    15:00 Uhr – zuhause angekommen erstmal Schmerzmittel verabreichen, kurz an den Schreibtisch, aber dann kamen Hunger und Hausaufgaben! Stimmt *innerlichvordiestirnschlag*, da war noch was, einkaufen, im Kühlschrank herrscht nämlich absolute Ebbe.
    „O.k.! Ihr macht Hausaufgaben und ich fahre schnell was zu Essen holen.“ Ja, vom goldenen M, ich gebs zu. Aber es gibt so Tage…

    15:35 Uhr – Essen, auch mein Magen dankt es mir.

    15:55 Uhr – das nun schmerzmittelvollgepumpte Kind schnell zur Nachhilfe (stell Dich nicht so an, ich fahr dich ja auch hin) und dann zum einkaufen

    16:52 Uhr – Einkäufe ins Haus tragen und wegräumen

    17:09 Uhr – Hausaufgaben am Schreibtisch, NICHT MEINER! Der vom Sonnenschein, aber meiner schreit und winkt verzweifelt nach mir

    17:34 Uhr – weiter die Einkäufe wegräumen, die TT bricht auf zu einer Abendveranstaltung an Ihrer Schule

    17:38 Uhr – Abfahrt um den „Schwerverletzten“ wieder abzuholen, das verzeiht er mir nie, dass ich Ihn da heute hingezwungen habe. *schmunzel*

    17:55 Uhr – Wäsche nochmal tauschen

    18:47 Uhr – Ich gebe den Schreibtischgedanken auf und schmeiße mich mit Laptop aufs Sofa um diese Liste zu schreiben

    18:54 Uhr – klingelt es an der Tür, irgendwann zwischendurch habe ich mal wieder ein Paket angenommen und kann das nun an den entsprechenden Nachbarn rausgeben

    19:03 Uhr – Sofa, schreiben

    19:28 Uhr – kommt die TT und bringt das Fahrrad vom Spanienkind mit

    19:47 Uhr – Sonnenschein und Spanienkind ins Bett bringen

    20:00 Uhr – mir reichts, das Sofa schreit lauter als der Laptop und der Schreibtisch zusammen, also lieber mit TT eine Schnulze gucken, die Abende an denen der GG abwesend sind müssen genutzt werden. *zwinker*

    20:56 Uhr – Schmerzmittel beim Spanienkind nachfüllen

    21:18 Uhr – GG kommt vom Flughafen

    22:28 Uhr – nach Kids gucken

    22:36 Uhr – Bett, lesen

    23:03 Uhr – Licht aus, Gute Nacht

    Oh! What! A! Day!


    Heute also EKG zurückgeben und dann statt Schreibtisch zum Kinderchirurgen. Vermutlich röntgen & Co, denn die Nacht war miserabel für den Rippepatienten.

    Nachtrag: Wir waren 4 Stunden in der Praxis um 3 Minuten betastet, 2 Minuten geröntgt und 3 Minuten beruhigt zu werden, dass nichts gebrochen ist. *kopftisch* So ist auch dieser Tag für´n *PIIIIIIIIIIEP*

  • 12 von 12 im Oktober 2019

    12 von 12 im Oktober 2019

    Es ist wieder so weit. Ich schaffe es endlich mal wieder bei 12 von 12 mitzumachen. Heute ist Samstag und ich habe daran gedacht 12 Fotos vom heutigen Tag zu machen.

    Bei dem wundervollen Spätherbstwetter habe ich mir eine Aufgabe draußen vorgenommen. Und was passt da besser als endlich den Garten mal auf Vordermann zu bringen.

    Der Chaos-Schreibtisch bleibt also wieder mal so wie er ist. Heute wird das schöne Wetter genutzt.

    Vor dem Beet- und Blumentopf-Vergnügen heißt es aber noch schnell einkaufen. Und da zelebriere ich mein Sommer-Samstags-Einkaufs-Ritual. Es gibt auf dem Parkplatz, bevor ich wieder ins Familienchaos fahre, ein Eiskonfekt-Päckchen. Nur für mich! Wenn ich das Zuhause aufmache, dann bleibt in einem Fünf-Personen-Haushalt nicht viel für mich!

    Zuhause wird mir dann schnell klar, es ist außer dem GG gar keiner da. Die beiden Jüngsten sind mit der Jugend-Feuerwehr auf der Florian, die Feuerwehrmesse. Und die Große gibt in der Uni-Bibliothek Ihre Bücher zurück. Also machen wir das, was gute Eltern machen wenn sie alleine zuhause sind … und trinken einen Kaffee auf der Terrasse und genießen das erste Herbstlaub.

    So, nun geht es aber den toten Buchsbäumen an den Kragen. Meine acht wunderschönen und nach 20 Jahren auch teilweise großen Buchsbäume sind alle dem Zünsler zum Opfer gefallen. *heul* Ich hab die soooooo geliebt und gehegt und gepflegt.

    Trotz aller Versuche sie mittels aller Ratschläge zu retten hat das Scheißvieh sich rasend schnell vermehrt und alles aufgefressen, vollgesponnen und mit Millionen neuer Eier vollgelegt.

    Ich habe den Kampf vor ein paar Wochen schon aufgegeben und den Pflanzen kein Wasser mehr gegeben, so bekomme ich sie nun leichter aus den Töpfen.

    Und tatsächlich begegnet mir dabei auch noch so ein Vieh! *schimpf*

    Die findige Pflanzen-Industrie hat aber schon für zünslerresistenten Ersatz gesorgt. Mit dem Luxus Globe – der Buchs-Ersatz*** beginne ich meine Zucht also nochmal von vorne! *jammer*

    Und wenn ich schon mal dabei bin, werden die Hortensien für den kommenden Winter zusammengebunden, in der Hoffnung, dass die im nächsten Sommer dann mehr nach oben auswachsen als nur zur Seite. Endlich mal nicht mit halb gefrorenen Fingern wie in den letzten Jahren.

    Die Blüten habe ich für die Herbstdeko natürlich vorher abgeschnitten.

    Die leeren Blumentöpfe, Solarlampen, Dekostecker und das Wasserspielzeug von der Terrasse wurde nun auch direkt im Keller eingewintert. Wir haben einen tollen Gewölbekeller, in dem aber nur Sachen lagern können die Feuchtigkeit aushalten. Da schimmeln nämlich sogar die Weinetiketten.

    Zum Abendessen nur einen leichten Sommersalat.

    O.k. es gab Putenbrust und etwas Sushi dazu. *zwinker*

    Und nun sitze ich hier bei Rotwein und neuer Herbst-Deko und stelle die Fotos zusammen. Der Rücken schmerzt und die Fingernägel sind schwarz, aber es hat sich gelohnt und ich bin sehr stolz auf mich.

    Die Sammlung aller heutiger Blogbeiträge gibt es wie immer bei „Draussen nur Kännchen“


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  • Tuberkulose an unserer Schule in Dresden

    Tuberkulose an unserer Schule in Dresden

    Da es in den letzten Wochen nun wieder Berichte über Tuberkulose in mehreren Schulen bei uns in Deutschland gab und ich in Kommentaren auf Twitter oft getaggt und befragt wurde, hab ich mich entschlossen mein damals geführtes Tagebuch hier zu veröffentlichen.

    Irgendwie waren die Schulen meiner Kinder 2017 ständig in der Presse und den anderen Medien. Erst war es die Grundschule der Jüngsten mit dem massiven #lehrermangel (wir hatten an den schlimmsten Tagen 2 Lehrer für 8 Klassen) und dann war es das Gymnasium und die Oberschule, die unsere beiden anderen Kinder besuchten.

    Schon da habe ich alles aufgeschrieben um es eventuell und irgendwann vielleicht zu veröffentlichen.

    Ein paar Monate bevor das Drama begann hatte ich, im Protokoll der ersten Schulkonferenz nach den Sommerferien, schon gelesen dass eine Schülerin der Schule nach einem Urlaub an TBC erkrankt war. Da habe ich absolut gar nicht darüber nachgedacht was das bedeuten könnte. Denn es ist bekannt, das Gastarbeiter aus den osteuropäischen Ländern das gar nicht so selten haben und davon gibt es hier im Grenzgebiet eine ganze Menge.

    Dezember 2017

    TBC – Tagebuch – Tag 1 / Freitag, 01.12.2017

    Heute sind die beiden großen Kinder sehr aufgeregt nach Hause gekommen. Der Sohn und ich müssen leider direkt wieder los, aber er erzählt mir im Auto schon, dass in der Schule anscheinend irgendetwas passiert ist und es ein paar Gerüchte über eine schlimme Krankheit gab.

    Als ich Heim komme, steht die Große in der Tür und ist nervös. Sie hat da was im Klassenchat auf WhatsApp gelesen. Ich solle sofort in die Mails gucken. Da wäre was von der Schule an alle Eltern geschickt worden.

    Da zwei meiner Kinder in diese Schule gehen hab ich die doppelt bekommen und sind schnell gefunden. Dort steht, dass es akute TBC-Erkrankungen in der Schule gibt und die Schule am Montag und Dienstag geschlossen bleibt. Und in der Version für die Große steht außerdem, dass sie auf gar keinen Fall ins Praktikum zum Tierarzt darf, was Montag starten sollte.

    Wir informieren die Tierarztpraxis und ich beruhige die Kids, denn die sind schon etwas verunsichert. TBC ist schließlich nur ansteckend wenn es die „offene“ Version ist (wobei es ja schon Fälle an der Schule gegeben haben muss, sonst gäbe es ja nun nicht mehrere Erkrankte) und dann auch nur bei direktem Kontakt.
    Eigentlich versuche ich auch mir selber einzureden, dass es schon alles nur halb so schlimm sein wird.

    TBC – Tagebuch – Tag 2 / Samstag, 02.12.2017

    Wir versuchen ruhig zu bleiben und abzuwarten. In den WhatsApp Klassenchats ist natürlich die Hölle los. Die ersten Zeitungs- und Onlineartikel machen die Runde. Es gibt wilde Spekulationen ob nun alles desinfiziert wird (was Quatsch ist, denn es ist nur über direkten Kontakt übertragbar) und ob die Schule die ganze Woche geschlossen bleibt.

    TBC – Tagebuch – Tag 3 / Sonntag, 03.12.2017

    Für die Kinder ist es nicht einfach nicht den ganzen Tag darüber nachzudenken. Wir sprechen viel darüber und googlen viel. Außer das es eine offene und eine geschlossene Version gibt, wußte ich auch nicht mehr. Ich lerne z.B., dass der Erreger alle Organe befallen kann. In den meisten Fällen aber eben die Lunge betrifft. Manches beruhigt uns und manches wirft neue Fragen auf.

    TBC – Tagebuch – Tag 4 / Montag, 04.12.2017

    Die Schule hat zu, die beiden Großen sind zuhause und es gibt per E-Mail ein paar mehr Infos. Nachdem im Sommer bereits ein Fall einer TBC-Infektion bekannt geworden war (darüber waren wir wie oben erwähnt im Sitzungsprotokoll der Schulkonferenz informiert worden), gab es nun zwei Fälle der offenen und somit ansteckenden Variante. Heute ist die Schule geschlossen weil alle Lehrer im Gesundheitsamt Blut abgeben müssen. In einer weiteren Mail erfahren wir dass die Große am Dienstag zur Blutabnahme in die Schule kommen muss.

    TBC – Tagebuch – Tag 5 / Dienstag, 05.12.2017

    Einer der zwei akuten Fälle, die nun in Quarantäne in der Klinik bleiben müssen ist ein Lehrer. Die Blutentnahme heute ist nun für alle Schüler, welche bei dem der Lehrer Unterricht haben, bei dem statt der Lunge leider die Haut betroffen war, was laut Onkel Google und Tante Bing die superansteckendste Version ist. Die TeenagerTochter hat bei Ihm eine Stunde pro Woche Unterricht und wir gehen zur Blutabnahme in die Schule. Erst gibt es einen Vortrag von einem Mitarbeiter des Gesundheitsamtes für Schüler und Eltern, dann die Blutabnahme.

    Ich informiere unsere Haushaltshilfe und den Gitarrenlehrer des Sohnes über den Verdacht und stelle Ihnen frei ob sie bis zur endgültigen Diagnose zu uns ins Haus kommen möchten. Auch die Nachbarn und Freunde der Jüngsten bekommen eine WhattsApp über das was bei uns so abgeht.

    Wir stellen aber auch schnell fest, das wir Erwachsenen ja alle noch geimpft sind.

    TBC – Tagebuch – Tag 6 / Mittwoch, 06.12.2017

    Nikolaus ist dieses Jahr irgendwie „unter ferner liefen“. Ab heute ist wieder Schule. Auch für die Tochter heißt es Beschulung durch die Schule statt Praktikum. Denn erst wenn die Blutproben ausgewertet sind und man sicher ist, dass keine Ansteckung von dem Kind ausgehen kann, darf es in den Praktikumsbetrieb gehen.

    Die Schule war Montag und Dienstag lediglich geschlossen, weil Montag die Lehrer alle ins Gesundheitsamt mussten und am Dienstag das Gesundheitsamt die Blutabnahme und Aufklärung in den Räumen der Schule machen musste. Für so viele Betroffene und ihre Angehörigen sind die Räume im Amt einfach viel zu klein.

    TBC – Tagebuch – Tag 7 / Donnerstag, 07.12.2017

    Weiterhin normale Beschulung. Ich gehe zu einem Termin und höre anschließend zuhause den Anrufbeantworter ab. „Guten Tag, hier spricht Herr M. vom Gesundheitsamt, wenn sie das abhören finden sie sich bitte sofort in die Schule Ihrer Tochter ein!“ Ich denke ich habe mich verhört, aber nach nochmaligen anhören werde ich nervös.
    Ich versuche in der Schule Jemanden zu erreichen, aber dort ist dauerbesetzt. Jetzt ergreift mich die Panik und meine Hände nach dem Autoschlüssel. Ich fahre wie paralysiert in die Schule. Im Sekretariat weiß niemand etwas. Sie fragen bei den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes nach und holen anschließend meine Große aus dem Unterricht. Der fällt, als sie mich im Gang entdeckt, alles aus dem Gesicht. Ich erzähle Ihr vom Anruf und versuche sie (und auch mich) zu beruhigen. Wir werden zu den Räumen gebracht, die das Amt belegt hat und werden darüber in Kenntnis gesetzt, dass das Blut unserer Tochter leider TBC-Erreger aufweist und man jetzt eine Röntgenaufnahme benötigt um herauszubekommen ob es sich um die offene Variante handelt. Wir bekommen einen Zettel mit Anschrift und Ansprechpartner in der Uniklinik. Verwirrt, geschockt und dadurch völlig naiv frage ich: „Und wann kann man da mit einem Termin rechnen?“ Der Arzt vom Gesundheitsamt starrt mich an und sagt: „Nicht Termin! Die haben eine Kriesensprechstunde eingerichtet und warten auf sie, sie fahren dort JETZT SOFORT hin und lassen das untersuchen.“

    Als wir den Raum verlassen sitzen im Gang weitere Mitschüler mit Eltern und gucken uns neugierig entgegen. Ich lächle nur verwirrt und wir gehen zum Auto. Ich war anscheinend die Erste die in der Schule angekommen war.

    Während wir auf erneute Blutabnahme und die Röntgenuntersuchung in der Uni-Klinik warten trudeln nach und nach die Familien vom Gang auch dort auf.

    Während die Kinder in Gruppen mitgenommen werden warten wir Eltern im Wartebereich der Kinderklinik und rätseln. Wie konnten sich so viele Schüler anstecken? Sitzen unsere Kinder alle in der ersten Reihe? Wieviele haben sich wohl angesteckt?

    Galgenhumor macht sich breit. Wenn es die offene TBC ist, dann verbringen wir wohl alle Weihnachten zusammen auf der Quarantäne-Station. *hysterischkicher*

    Aber auch Unmut tut sich auf! Die ersten mauligen Stimmen sind zu hören?

    • Warum hat man uns denn nicht früher informiert?
      (es stand im Konferenz-Protokoll!)
    • Wieso ist denn die Schülerin nicht sofort aus der Schule genommen worden?
      (weil nicht gleich klar war, dass sie ansteckend war, die Inkubationszeit beträgt 6-8 Wochen)
    • Warum wurden denn die Räume nicht desinfiziert?
      (weil das bei einer Tröpfcheninfektion nicht hilft)
    • Warum erhalten wir die Informationen aus der Presse?
      (stimmt gar nicht, wir bekamen alles per Mail aus der Schule)

    Mir platzt irgendwann der Kragen und ich frage den Vater der am meisten herummault: „Was wäre anders gewesen wenn sie es schon vor 2 Monaten gewusst hätten? Wenn sie das Protokoll gelesen hätten und es gewusst hätten, was hätten sie denn dann gemacht?“ … Stille…

    Die erste Gruppe ist durch mit Untersuchungen und wir werden gemeinsam in das Arztzimmer gebeten. Alle Lungen sind unauffällig und somit ist Niemand ansteckend, wir werden darüber aufgeklärt, dass die Kinder nun 3 Monate zwei gezielte Antibiotika nehmen und alle paar Wochen zur Blutkontrolle sollten.

    Ich setze die geschockte Tochter Zuhause ab, die chattet nur noch mit Ihren Klassenkameraden und Freunden. Ich fahre weiter, frage beim Hausarzt um die Ecke ob die die Blutkontrollen übernehmen können. Informiere die Praktikumsstelle und fahre noch in die Apotheke.

    Und da sitzt du als Mama auf dem Parkplatz im Auto und kannst nicht in die Apotheke weil die Tränen nicht wieder aufhören. Die gesamte Anspannung der letzten Tage bricht sich plötzlich Bahn. Ich bin müde. So unendlich müde.

    TBC – Tagebuch – Tag 8 / Freitag, 08.12.2017

    Der Praktikumsbetrieb weist sie ab. Zu groß ist die Angst, dass es sich im Ort herumspricht und die Patienten wegbleiben könnten.

    Sie kommt total verstört nach Hause und weiß weder was sie davon halten noch was sie nun machen soll. Zum Glück war ich noch nicht weg und wir schreiben gemeinsam eine Mail an die Schulleiterin, weil per Telefon kein durchkommen mehr ist. Bei über 900 Schülern ist das in der allgemeinen Panik kein Wunder.

    Die Schulleiterin ruft zurück und hat eine Idee. Eine Stunde später hat sie von einem befreundeten Gastronom, dessen Sohn früher auch ein Schüler war, das Angebot, dass sie dort spontan Praktikum machen könnte. Nicht der Traum der Tochter, aber besser als Nichts.

    Gestern waren über 20 Familien in der Uniklinik, weitere 3 Schüler wurden mit der offenen Version von TBC gleich in der Klinik behalten und davon hat natürlich auch die Presse Wind bekommen, die Radiosender berichten halbstündlich darüber und die ganze Stadt weiß nun Bescheid.

    TBC – Tagebuch – Tag 9 / Samstag, 09.12.2017

    Die Nachbarin und andere Freunde drehen am Rad.

    Heute sind natürlich alle Zeitungen voll davon. Inzwischen spricht man von 50 Ansteckungsfällen. Alle fragen bei uns nach, wie schlimm das denn ist, ob sie denn nun Ihre Enkel / Freunde / Familien besuchen können, oder ob sie die nun alle anstecken. Befreundete Ärzte raten zu Mundschutz und Schutzhandschuhen wenn sie mit uns in Kontakt waren und nun Säuglinge besuchen.

    Andere Ärzte aus unserer Verwandtschaft erzählen: „Als ich auf der TBC-Station während der Ausbildung Dienst hatte, haben wir nie Mundschutz getragen!“

    Wir sind verwirrt, überfordert und wissen auch nicht mehr was richtig ist.

    TBC – Tagebuch – Tag 10 / Sonntag, 10.12.2017

    Wir bleiben zuhause und lassen auch Niemanden rein.

    TBC – Tagebuch – Tag 11 / Montag, 11.12.2017

    Erster Praktikumstag, es kehrt ein bisschen Alltag zurück. Die Presse und auch das Gesundheitsamt melden keine neuen positiven Ergebnisse. Dafür gibt es erste kritische Stimmen über die Berichterstattung zu dem Tuberkulose-Ausbruch an Dresdner Schulen. Danke Romina Stawowy.

    TBC – Tagebuch – Tag 12 / Dienstag, 12.12.2017

    Eine Journalistin einer Dresdner Tageszeitung ruft an. Ein Nachbar hat ihr meine Handynummer gegeben. Im ersten Moment denke ich sie möchte wirklich realistisch über die Sache berichten, aber schon bald mache ich Ihr klar, das die Schule alles richtig gemacht hat und auch das Gesundheitsamt alles super im Griff hat. Sie fragt sogar frech ob ich Ihr die Mails der Schule schicken würde, aber das lehne ich ab und beende das Gespräch.

    TBC – Tagebuch – Tag 13 / Mittwoch, 13.12.2017

    Ich versuche so normal wie möglich den Alltag hier durchzuführen, denn die Jüngste ist ja auch noch da und es geht schließlich auf Weihnachten zu.

    Außerdem können wir es eh nicht ändern. Ich bin unendlich dankbar, dass wir in der heutigen Zeit Medikamente und die entsprechenden Bedingungen haben an solch eine Krankheit nicht sterben zu müssen und die Behandlung einfach von der Krankenkasse finanziert zu bekommen.

    TBC – Tagebuch – Tag 14 / Donnerstag, 14.12.2017

    Heute hat der Sohn seine Blutuntersuchung. Nachdem es unter den Schülern mit direktem Kontakt zu dem Lehrer so viele Ansteckungsfälle gegeben hat, werden nun alle Schüler der Schule untersucht. Diesmal muss ich nicht mit und erstelle nur eine Erlaubnis zur Blutabnahme.

    TBC – Tagebuch – Tag 15 / Freitag, 15.12.2017

    Heute ist Weihnachtsmarkt in der Grundschule der Jüngsten und alle fragen natürlich nach ob unsere Großen nicht auf der entsprechenden Schule sind und ob wir betroffen sind und wenn sie hören das es die älteste Tochter erwischt hat, machen sie gleich einen Schritt weg von uns.

    Dem Schulleiter erzähle ich, dass wenn es den Sohn auch erwischt hat, dass ich die Jüngste dann auf eigene Kosten untersuchen lassen würde und Ihm natürlich das Ergebnis mitteilen würde.

    TBC – Tagebuch – Tag 17 / Sonntag, 17.12.2017

    Uns ist nicht nach Weihnachtsstimmung und ausgehen. Wir verkriechen uns etwas und ich verblogge meine Gedanken rund um Krankheit, Geschenke und dem Glück das wir hatten hier.

    TBC – Tagebuch – Tag 18 / Montag, 18.12.2017

    Ich bleibe den ganzen Tag in der Nähe des Telefons. Denn heute würde sich das Amt melden wenn sich der Mittlere auch mit Tuberkulose angesteckt hätte. Zum Glück klingelt kein einziges Mal das Telefon. Ich hätte sonst jedes Mal einen Herzinfarkt bekommen. Wir scheinen also erlöst.

    TBC – Tagebuch – Tag 20 / Mittwoch, 20.12.2017

    Blutuntersuchung der Großen beim Hausarzt. Dort wird nun alle paar Wochen kontrolliert ob die Medikamente vertragen werden. Prophylaktisch soll sie nun Vitamin B6 nehmen, da schon bekannt ist, das dieses mit Einnahme der Medikamente dann fehlt.

    So langsam kehrt wieder Alltag ein und wir freuen uns dann auch mal auf Weihnachten.
    Was für ein Jahresende!


    Januar 2018

    03.01.2018

    Blutuntersuchung der Großen – alles in Ordnung

    Die Tabletten nimmt sie täglich und bis auf Müdigkeit und früheres Einschlafen am Abend haben sich keine Nebenwirkungen eingestellt.

    17.01.2018

    Pressemitteilung des Gesundheitsamtes

    „… insgesamt wurden nun 995 Menschen untersucht und bei 63 Personen war der Test positiv. In diesen Fällen wurde die Übertragung der Erreger nachgewiesen. Darunter waren fünf Personen ansteckungsfähig erkrankt.“

    31.01.2018

    Blutuntersuchung der großen Tochter – alles weiterhin o.k.

    Februar 2018

    28.02.2018

    Heute hat der Sohn seine erneute Blutabnahme. Nach Ablauf der Inkubationszeit wird nochmals getestet ob sich Jemand eventuell doch angesteckt haben könnte.

    Natürlich habe ich nun wieder dieses mulmige Gefühl und ich werde tagelang auch kurz nervös wenn das Telefon klingelt, aber von der Großen weiß ich ja wie unkompliziert und gut verträglich die doofen Tabletten sind.

    März 2018

    05.03.2018

    Heute war ich mit der TT in der UniKlinik zur Röntgenkontrolle. Der Befund ist einwandfrei. Die Antibiotikas haben Ihren Zweck erfüllt. Die Tuberkulose ist nicht ausgebrochen und nun sind die Erreger auch so isoliert, dass sie nicht mehr ausbrechen kann.

    07.03.2018

    Heute bekamen wir die Pressemitteilung, dass es keine weiteren offenen Fälle der Tuberkulose gibt, aber 7 Schüler die sich doch noch infiziert haben und nun die 3 Monaten die Medikamente nehmen müssen.


    Oktober 2019

    Heute schreibe ich meine Gedanken rückblickend in Ruhe dazu auf. Ich habe die Texte hier ergänzt und ausformuliert um betroffene Familien zu beruhigen. Es kommt viel an Sorge wieder hoch und ich hatte teilweise die Tränen wieder in den Augen.

    Aber vielleicht kann ich mit diesem Bericht auch vielen betroffenen Familien ein wenig die Angst nehmen. Für mich war am wichtigsten, dass ich ruhig bleibe. Wenn ich als Mama nicht der Fels in der Brandung gewesen wäre, hätte das hier wahrscheinlich zu mehr Chaos geführt.

    Also mein wichtigster Tipp: Ruhe bewahren!

    Rückblickend sagt die betroffene Tochter dass sie sich an die schrecklich langen Minuten in der Klinik erinnert die wir auf das Röntgen-Ergebnis warten mussten und wie ätzend es war täglich zwei Tabletten schlucken zu müssen. Aber ansonsten war es nur halb so wild.


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