Die unbekannte Krankheit – Mein jahrelanger Leidensweg … ODER … Warum die klassische Medizin nichts gefunden hat!

Ich möchte gar nicht wissen wie viele Menschen in diesem Land unter einer Krankheit leiden, die so sagenhaft schwer zu erkennen ist. Die aber vielleicht der Grund für so viele Migräne-, Magen- oder andere Leidens-Patienten sein könnte.

Ich wurde in den letzten Wochen für ein Magazin dazu interviewt und habe mich nach langer Zeit mal wieder intensiver mit dem Leidensweg der letzten 12 Jahre beschäftigt. Wobei es mir erst heute als Leiden bewusst wird. In den Momenten, in denen es mir schlecht ging, empfand ich es noch gar nicht so und kämpfte einfach nur um überleben im Alltag mit Kindern, Anerkennung und endlich Hilfe zu finden.

Ende 2007

Es begann mit Rückenschmerzen. Wir lebten in Spanien, ich schleppte mein knapp einjähriges Kind (ein sehr kräftiger noch nicht laufen könnender Wonneproppen) auf der Hüfte täglich zur Schule um die „Große“ (damals 3 Jahre) abzuholen. Um den Kinderwagen aus dem Auto zu holen war die Strecke zu kurz, für den Rücken aber eigentlich zu lang. Ich hatte meine Essensgewohnheiten umgestellt, viel Sport gemacht, um die Schwangerschaftspfunde wieder abzunehmen und war überzeugt, dass mein Körper das schon schafft mit der Belastung. Das zwicken im unteren Rücken ignorierte ich. „Durch die Hormone nach der Schwangerschaft und die allgemeine Rückbildung nach dem Abstillen wird das sich alles wieder einrenken.“ … Dachte ich! Auch die Kreislaufprobleme die mich ab und an plagten redete ich mir schön.

Ende Dezember kam dann der Umzug zurück nach Deutschland. Keine Zeit für Rückenschmerzen oder Kreislaufprobleme. Und für Arztbesuche schon mal gar nicht. Schon mal gar nicht bei spanischen Ärzten. *augenroll* Aber das ist eine andere lange Geschichte.

Anfang 2008

Vorerst zog ich mit den Kindern zu meinem Vater nach Münster und der GG in eine klitzekleine Wohnung in Düsseldorf. Wir suchten dort nun nach einem Haus für uns. In dieser Zeit hatte ich immer wieder mit Übelkeit und Kreislauf zu kämpfen, bekam aber auch unbeschreibliche Rückenschmerzen. Schnell war klar: Bandscheibenvorfall. Mit 2 kleinen Kindern, in einem Haushalt und Alltag, der nicht meiner war überlebte ich nur mit sehr viel Schmerzmitteln, einer ambulanten Reha und einer großartigen Tagesmutter. Schnell wurden aber leider auch die Übelkeit und Kreislaufprobleme schlimmer, so dass ich mich immer nach dem Frühstück kurz wieder hinlegen musste. Der Hausarzt und die Reha-Ärzte schoben es auf die Schmerzmittel und verschrieben mir erst Magenschutzmittel und später Tropfen die meinem Hirn vorgaukeln es gäbe diese Übelkeit nicht.

Dann kam im April der Umzug nach Neuss. Wir hatten ein Haus gefunden. Ich setzte die Schmerzmittel nach erfolgreich beendeter Reha langsam ab. Auf die Tropfen verzichtete ich auch immer öfter, denn diese machen auf Dauer abhängig.

Die Übelkeit aber blieb. Sie weckte mich so gegen 04:00 Uhr jeden Morgen und dauerte immer bis ca. 11:00 Uhr. Ich schob es auf die Schmerzmittel die mir vermutlich so schlimm auf den Magen geschlagen waren. Leider blieb aber auch der Durchfall, der die Übelkeit immer begleitete.

Mitte 2008

Es wurde aber auch mit viel Geduld, gesundem Essen, Magen-Darm-Bakterien-Aufbau-Mitteln und anderen Nahrungsergänzungsstoffen nicht besser.

Eine monatelange Ärzte-Odyssee begann. Jeder Spezialisten-Besuchs-Marathon beginnt für Kassenpatienten mit einer Wartezeit von 6-8 Wochen auf den ersten Termin. Dieser beinhaltet ein Erstgespräch und vielleicht eine Blutabnahme. Dann wartet man 2 Wochen auf den neuen Termin für die Besprechung der Blutergebnisse. Anschließend eventuell weitere Untersuchungen und weitere Wartezeiten auf das Ergebnis. So vergingen MONATE!
Aber jedes mal erfuhr ich erst zum Schluss welchen Verdacht der Doc hatte und jedes mal aber auch, dass es das zum Glück nicht war. Man schickte mich weiter, zum nächsten Facharzt. Zur nächsten Wartezeit, auf den nächsten Termin.

Ich erlebte immer und immer wieder die schrecklichsten Sachen, litt aber so sehr unter der Übelkeit, dem Durchfall und den Kreislaufproblemen, dass ich die Hoffnung nicht aufgab, dass es irgendwann einmal Jemanden geben könnte, der mir sagt was es ist und was ich dagegen tun könnte.

Der Gastroenterologe machte eine Magenspiegelung bei vollem Bewusstsein. *würg*

Der Gynäkologe machte einen großen Hormonspiegel, hat (wie ich heute weiß) Hormonwerte falsch gedeutet und ich musste mit Verdacht auf Hirntumor ins MRT.

Der Neurologe vermutete Multiple Sklerose und machte unzählige Tests.

Der Endokrinologe verpasste mir eine Magensonde, diesmal unter Kurznarkose aber mit verlorener Sonde die er nach Telefonat mit dem Hersteller aus dem Magen zurückholen musste, die einen eventuellen Reflux messen sollte.

Der Allergologe machte ebenfalls alle nur möglichen Tests.

JEDER Arzt vermutete bei der Erwähnung der Morgenübelkeit eine Schwangerschaft. Nach 1,5 Jahren konnte ich darüber nur milde lächeln und meinte dass ich dann aber inzwischen im 21. Monat wäre. Ich war jedes mal natürlich froh, weder Tumor, MultipleSklerose oder einen Reflux in der Speiseröhre zu haben, aber es ging mir ja weiterhin schlecht.

JEDER Arzt vermutete aber auch, nachdem sein Verdacht nicht bestätigt wurde, dass es vielleicht psychisch sein könnte. *augenroll* Inzwischen weiß ich das der klassische Mediziner es immer darauf schiebt wenn er einfach nicht weiter weiß!

Anfang 2009

Ich ging also dann doch mal zu einer Psychologin. Nach 300 Fragen die ich auf einem Fragebogen beantworten musste war aber schnell klar: „Sie neigen weder zu Depression noch zu Hysterie. Sie sind völlig normal! Ich gebe Ihnen trotzdem Antidepressiva, die steigern die Schmerzgrenze ihres Körpers und sie kommen einfach mal zur Ruhe.“

Es wurde ENDLICH besser! Ich schlief bis die Kinder auch aufstehen mussten! Ich konnte morgens essen ohne anschließend auf die Toilette zu rennen. Allerdings schlief ich so tief und fest, dass ich die Kinder (6 und 3 Jahre alt) Nachts nicht mehr hörte und ich war sogar so ruhig gestellt, dass ich mich tagsüber über nichts mehr aufregte und auch nicht mehr schimpfte.

Ich hatte von einer halben Tablette täglich (depressive Menschen dürfen bis zu 10 ganze Tabletten am Tag) eine absolute „Scheiß-Egal-Einstellung“ entwickelt. Ich funktionierte im Alltag einfach, das war aber auch alles.

Nach 3 Monaten sprach mich auf einer Familienfeier mein Schwager an (von Beruf Arzt) und fragte: „Was nimmst du?“ Ich: „Wieso?“ Er: „Du bist nicht mehr du! Also, was nimmst du?“

Ich merkte natürlich auch schnell, es ist zwar schön sich nicht ärgern zu müssen, aber ich freute mich eben über oder auch auf gar nichts mehr. Also hörte ich lieber wieder auf und schlich das Zeug wieder aus.

Mitte 2009

Es wurde wieder schlimmer.

In dieser Zeit nahm meine Mutter mich bei den Hochzeitsvorbereitungen für meinen kleinen Bruder zur Seite und sagte mit Tränen in den Augen: „Ich nehme Deine Kinder und du lässt dich in eine Klinik einweisen.“

Sie hatte Angst ich wäre Magersüchtig geworden! Ich hatte durch den ständigen Durchfall natürlich stark abgenommen und eine kränklich, gräuliche Hautfarbe bekommen. Es blieben schließlich die meiste Zeit des Tages keine Nährstoffe in mir. Über diese Abnahme hatte ich mich sogar ein wenig gefreut. Irgendwas positives wollte ich doch sehen in dem ganzen Scheiß.

Aber ich lehnte den Vorschlag meiner Mutter ab, denn ich war bei jedem möglichen Spezialisten gewesen. In der Klinik hätten die die Untersuchungen nur wiederholt.

Ich war bereit für einen „Wunderheiler“. Ich konnte und wollte nicht mehr. Ich wäre in dieser Zeit zu jedem „Scharlatan“ gegangen um endlich wieder gesund zu werden. Über eine andere Verwandte landete ich zum Glück bei einem tollen Homöopathen. Der behandelte mich mit seinen für mich damals dubiosen Methoden. Anschließend sollte ich drei Tage Weizen und Alkohol weglassen. Er vermutete eine Lebensmittel-Unverträglichkeit, bekam es aber nicht genau definiert. Dann nahm ich lange homöopathische Tabletten gegen Wechseljahre um den Hormonhaushalt wieder in den Griff zu bekommen.

Ende 2009

Es half! Es ging mir besser!

Ich wurde Schwanger und es war schlagartig Ruhe. Ich nahm nichts mehr und mein Körper ging voll und ganz in der Nestpflege auf und war nur noch mit dem Baby beschäftigt. Ich nahm zu und alles war als hätte es das Problem nie gegeben.

Mitte 2010

Wurde ich zum dritten Mal Mutter. Alles lief völlig normal.

Kurz nach der Geburt begann der GG einen neuen Job in 600 km Entfernung und war nur noch am Wochenende bei uns. Mit einem Schulkind, einem Kindergartenkind und einem Stillkind war ich also nun von Montag bis Freitag ganz alleine. Aber alles war gut.

Anfang 2011

Wir folgten als Familie dem GG nach Dresden. Alles schien perfekt.

Nach dem abstillen ging es aber wieder los. Morgendliche Übelkeit, Durchfall und die Kreislaufbeschwerden.

Ich nahm einfach die homöpatischen Mittel gegen Wechseljahre wieder, die halfen aber nicht mehr wirklich. Ich suchte und fand eine neue Homöopathin. Wir probierten sehr viel herum. Ich bekam Gürtelrose und viele andere seltsame Erscheinungen, aber das richtige Mittel fanden wir nicht.

Ich dachte es läge am Stress der letzten Jahre und machte eine Mama-Auszeit. Eine Yoga-Reise. Eine Woche auf Mallorca. Nur ich, keine Kinder und KEINE Termine. Dort lernte ich sehr viel über mich und auch die Organuhr kennen. Demnach hat jedes Organ unseres Körpers eine Zeitspanne, zu der es am aktivsten ist. Zwischen 4 und 11 sind das Dickdarm, Magen und Bauchspeicheldrüse. Das brachte mir endlich eine kleine Erklärung warum ich immer um 4:00 Uhr aufwachte und es um 11:00 Uhr besser wurde.

Ende 2011

Bei meiner Mutter wurde Histamin-Intoleranz diagnostiziert. Meine Mutter ist privat versichert und bei einem Bluttest, wegen etwas ganz anderem, war das ein zufälliger Nebenbefund.

Sie hatte allerdings völlig andere Symptome und reagierte auf ganz andere Lebensmittel als ich. Sie hat das immer auf einen „nervösen“ Magen geschoben. Wenn wir heute darüber nachdenken wird aber vieles schon Ihr und mein ganzes Leben darauf hingedeutet haben. Man nennt das nicht umsonst auch die „Krankheit der 1000 Symptome“. Es gibt unzählige Beschwerden die Histamin-Intolerante haben.

Diese Intoleranz ist unter den klassischen Medizinern aber auch weitestgehend unbekannt oder wird zu selten anerkannt. Ich erlebe inzwischen ganz oft, dass sie nachschlagen müssen was ich vertrage wenn ich erwähne das ich HI (Histamin-Intolerant) bin. Die Schmerzmittel zu Zeiten des Bandscheibenvorfalls und auch die Narkosemittel, die ich während der Kaiserschnitte bekam und immer zu Übelkeit und kurzer Ohnmacht führten, waren alles Mittel die HI-Patienten nicht bekommen dürfen.

Meine Homöopathin behandelte mich nun ebenfalls in die Richtung.

Ich habe mega viel im Internet recherchiert und Bücher dazu gelesen. Ich ernährte mich strikt eine Woche nur von Reis, Kartoffeln und Nudeln. Das sind die Lebensmittel die frisch zubereitet nie Histamin enthalten. Es ging mir relativ schnell besser. Anschließend habe ich dann Lebensmittel für Lebensmittel ausprobiert und auf meinen Körper gehört. Seit dem merke ich oft sogar beim zubereiten schon obs geht oder eben nicht.

Seit dem bin ich ein neuer Mensch. Seit ich das weiß und mich danach ernähre geht es mir blendend. 

Histamine schaden auf 3 verschiedene Arten

  1. Sie sind in einigen Lebensmitteln (Banane, Erdbeeren, Spargel u.v.m.) in sehr großen Mengen enthalten. Sachen die ich mein ganzes Leben nie gerne gegessen habe. Vermutlich wehrte mein Körper sich so schon immer dagegen.
  2. Es gibt Lebensmittel die das körpereigene Histamin freisetzen oder die Produktion des Stoffes verhindern an das das Histamin andocken kann. Diese Lebensmittel sind absolut nicht benennbar, das ist bei jedem Intoleranten unterschiedlich und muss ausgetestet werden.
  3. Alle haltbar gemachten Lebensmittel entwickeln Histamin (Tiefkühlkost, Konservendosen, geräuchertes, gepökeltes, …).  Wir haben schon immer einen Thermomix und kochen frisch. Aber TK-Gemüse und -Fleisch, Konservendosen, Kaffee und ganz viele Gemüse und Früchte gehen einfach nicht mehr. 

Nach meiner 11:00 Uhr – Grenze gehen 1 Latte Macchiato und etwas Schokolade wieder. Ich vermisse Rotwein, Ananas, Paprika, Erdnüsse, Essig!!! Fleisch und Fisch gibt es nur noch ganz frisch. Gemüse habe ich durch Broccoli ersetzt, den kann ich aber oft schon nicht mehr sehen. Ich esse kein aufgewärmtes Essen mehr. Salat gibt es nur noch mit Joghurt-Dressing, und Essen gehen ist jedes Mal ein Risiko. Und kein Alkohol. Vielleicht mal ein Gläschen ganz süßen Wein.

Der Lohn dafür aber ist ein endlich wieder normales Leben mit meiner Familie. DAS ist es absolut wert. Mein Körper hat sich eingependelt und meldet jeden Verstoß mit einem sofortigen hochrotesm Gesicht. Etwas später renne ich sofort auf die Toilette. Manchmal bekomme ich nach Anstrengung auch eine Kurzatmigkeit als wäre ich einen Marathon gelaufen. Aber, ich weiß ENDLICH woran das liegt und nehme im Akutfall hochdosiertes Vitamin C. Daran dockt Histamin im Blut sofort an und der Köper normalisiert sich relativ schnell. Antihistaminika wie Allergiker sie nehmen möchte ich nicht probieren. Die machen Müde und solange ich es über die Ernährung gesteuert bekomme reicht mir das.

Ich genieße es sehr, endlich zu wissen was ich essen und trinken kann und was ich besser lasse.

Es geht mir RICHTIG gut.

Dadurch, das mein Körper nun aber wieder alle Nährstoffe verarbeiten kann habe ich zugenommen. Erst dachte ich „yeah, er arbeitet endlich wieder normal“ aber inzwischen ist es mit den Wechseljahren kollidiert und es ist einfach zuviel geworden.

Aber lieber so als zu dünn mit grauer Haut. 🙂

Das war meine Geschichte! Und ich kann nur jedem Raten, dem die klassische Medizin nicht helfen kann oder will, sich mal mit dem Thema Histamin-Intoleranz zu beschäftigen.

Schreib mir gerne Fragen hier in die Kommentare oder per E-Mail.


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