Organspende – ein wichtiges und endlich auch wieder aktuelles Thema

Das Thema Organspende ist seit letzter Woche wieder in aller Munde, da unser Gesundheitsminister Jens Spahn auch hier einen Vorstoß wagt. So sehr auch über Ihn und seine Ansichten öffentlich und hinter vorgehaltener Hand gelästert wird, ich finde es toll, dass sich endlich ein Minister traut das Gesundheitswesen anzupacken.

Das Spanienkind, das gerne länger an einem Thema rumüberlegt und wochenlang Fragen stellt, beschäftigt sich schon lange damit und so hatte ich mit meiner Nachbarin zufällig darüber gesprochen, weil sie Ärztin ist und Ihr Mann außerdem transplantiert. Und so quatschten wir uns an einem der schönen Sommerabende stundenlang auf Ihrem hübschen Balkon zu dem Thema fest. Ich erfuhr sehr viele interessante Sachen die mir so auch nicht bekannt waren. Und da sie als Geschäftsführerin der Sächsischen Landesärztekammer sowieso regelmäßig Vorträge in Schulen darüber hält, bot sie an mir und meinen beiden Großen Ihren Vortrag mal zu halten.

So war ich also letzte Woche mit der TT und dem Spanienkind wieder bei Patricia auf dem Balkon um noch mehr zu dem Thema zu lernen, denn die Kommentare unter den Berichten in den Social-Media-Kanälen sind ab und an zum haareraufen. Bei dem Unwissen und den vielen falschen Informationen die da unterwegs sind, wundert es mich nicht, dass wir in Deutschland die niedrigste Bereitschaft zur Organspende aufweisen.

Deutschland hat über 80 Millionen Einwohner. ca. 10.000 davon warten auf ein Spenderorgan. Aber ungefähr alle 3 Tage stirbt Jemand weil sich kein passendes Organ gefunden hat. Jährlich haben wir ca. 900.000 Sterbefälle,  davon können lange nicht viele spenden. Aber wir haben 2017 gerade mal 797 Menschen gehabt, die nach Ihrem Tod Organe gespendet haben.


Es wird vor allem VIEL ZU WENIG darüber gesprochen!

Hast Du dich schon mal gefragt ob Du bei einer lebensgefährdenden Krankheit ein Organ annehmen würdest? Würdest du spenden wollen nach Deinem Tod? Und wenn ja was? Und hast Du schon mal darüber mit Deiner Familie gesprochen? Wüsstest Du was Deine Eltern wollen im Fall der Fälle?

Von 284 Gesprächen die mit Angehörigen nach dem Tod eines Menschen OHNE Spenderausweis stattfanden, wussten diese 70 mal gar nicht was der Verstorbene gewollt hätte. Diese Organe konnten also nicht weitergegeben werden, also nicht ca. 210 Menschen das Leben retten. Das ist doch superärgerlich!
Wir haben auch gelernt, dass Jugendliche ab 14 Jahren festlegen dürfen falls sie nicht spenden möchten und ab 16 Jahren können sie einwilligen oder die Entscheidung an Jemanden übertragen. UND, der GG darf als Diabetiker DOCH einige Organe spenden.

Niemand muss sich Sorgen machen

In Deutschland haben sehr viele Angst, dass nach dem feststellen des Hirntod einfach der Patient nur noch als möglicher Spender gesehen wird. Das ist aber totaler Quatsch! Es gibt ein sehr strenges Transplantationsgesetz in dem mit deutscher Gründlichkeit ganz genau festgelegt ist
• WER als „nächster Angehöriger“ entscheiden darf, was denn nun mit den Organen passiert falls es keinen Spenderausweis gibt.
• WIE festgestellt wird ob der Patient wirklich Hirntod ist. Verschiedene Tests, Untersuchungen und festgelegte Wartezeiten müssen eingehalten werden.

(Für genauere Informationen hinterlass mir einfach einen Kommentar unter diesem Beitrag, oder schick mir eine Mail, dann sende ich dir weitere Informationen gerne zu)

Und wie erklärt man die Reaktionen die bei der Entnahme vorfallen?

Das Internet ist voll von Berichten über Patienten die in der Wartezeit, nach erstem feststellen des Hirntod, oder während der Entnahme körperliche Reaktionen wie Bewegungen von Extremitäten, Schwitzen, ja auch Erektionen gezeigt haben. Das ist aber völlig Normal, denn diese werden von Teilen des Nervensystems ausgelöst, die sich außerhalb des Gehirns befinden. Nämlich im Rückenmark und dem vegetativen Nervensystem. Daher werden auch zur Entnahme Narkosemittel und Muskelentspannende Mittel verabreicht.

Ohne das Hirn ist der Mensch einfach nicht lebensfähig. 2015 wurde die Hirntodrichtlinie verschärft. Es kann gar keine Fehldiagnosen geben. Zwei Fachärzte müssen unabhängig voneinander den Hirntot bestätigen.

Den gesamten Organspendeprozess begleitet übrigens IMMER, in jedem Einzelfall, eine unabhängige Organisation. Wenn es wirklich zu einer Organspende kommt wird die Deutsche Stiftung Organtransplantation informiert, die dann Fachpersonal in die entsprechende Klinik schickt.

Wie hat schon Yoda in „Star Wars – Das Imperium schlägt zurück“ gesagt:

„Der Tod ein natürlicher Bestandteil des Lebens ist!“

 

Vielen vielen Dank liebe Patricia Klein von der Landesärztekammer. Das war ein sehr interessanter Abend. Du steckt so tief und mit der perfekten Einstellung in dem Thema wie keine Andere! 🙂

Es gibt zwei Sätze, welche sich in meinem Hirn am stärksten verankert haben:

„Ich spende lieber, bevor es die Würmer nach der Beerdigung kriegen …!“

„Ist es nicht das größte Geschenk ein solches Geschenk machen zu können? Leben zu schenken!“

ACHTUNG: Wichtig ist auch, was in der Patientenverfügung steht. Denn wenn du die Organe spenden, aber keine lebensverlängernden Maßnahmen möchtest, sollte das unbedingt vermerkt sein, damit diese Stunden zusätzlich beachtet werden.

Egal ob du spenden möchtest oder nicht … HIER kannst du einen Spenderausweis bekommen, der erspart Deinen Angehörigen diese Entscheidung für Dich treffen zu müssen.

In diesem Sinne: Ich habe der TT und dem GG gerade welche bestellt.

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