Kategorie: Mal was ganz Anderes

Hier sammelt sich alles, was nur indirekt in meine Kategorien Mama oder Events passt.

  • Tuberkulose an unserer Schule in Dresden

    Tuberkulose an unserer Schule in Dresden

    Da es in den letzten Wochen nun wieder Berichte über Tuberkulose in mehreren Schulen bei uns in Deutschland gab und ich in Kommentaren auf Twitter oft getaggt und befragt wurde, hab ich mich entschlossen mein damals geführtes Tagebuch hier zu veröffentlichen.

    Irgendwie waren die Schulen meiner Kinder 2017 ständig in der Presse und den anderen Medien. Erst war es die Grundschule der Jüngsten mit dem massiven #lehrermangel (wir hatten an den schlimmsten Tagen 2 Lehrer für 8 Klassen) und dann war es das Gymnasium und die Oberschule, die unsere beiden anderen Kinder besuchten.

    Schon da habe ich alles aufgeschrieben um es eventuell und irgendwann vielleicht zu veröffentlichen.

    Ein paar Monate bevor das Drama begann hatte ich, im Protokoll der ersten Schulkonferenz nach den Sommerferien, schon gelesen dass eine Schülerin der Schule nach einem Urlaub an TBC erkrankt war. Da habe ich absolut gar nicht darüber nachgedacht was das bedeuten könnte. Denn es ist bekannt, das Gastarbeiter aus den osteuropäischen Ländern das gar nicht so selten haben und davon gibt es hier im Grenzgebiet eine ganze Menge.

    Dezember 2017

    TBC – Tagebuch – Tag 1 / Freitag, 01.12.2017

    Heute sind die beiden großen Kinder sehr aufgeregt nach Hause gekommen. Der Sohn und ich müssen leider direkt wieder los, aber er erzählt mir im Auto schon, dass in der Schule anscheinend irgendetwas passiert ist und es ein paar Gerüchte über eine schlimme Krankheit gab.

    Als ich Heim komme, steht die Große in der Tür und ist nervös. Sie hat da was im Klassenchat auf WhatsApp gelesen. Ich solle sofort in die Mails gucken. Da wäre was von der Schule an alle Eltern geschickt worden.

    Da zwei meiner Kinder in diese Schule gehen hab ich die doppelt bekommen und sind schnell gefunden. Dort steht, dass es akute TBC-Erkrankungen in der Schule gibt und die Schule am Montag und Dienstag geschlossen bleibt. Und in der Version für die Große steht außerdem, dass sie auf gar keinen Fall ins Praktikum zum Tierarzt darf, was Montag starten sollte.

    Wir informieren die Tierarztpraxis und ich beruhige die Kids, denn die sind schon etwas verunsichert. TBC ist schließlich nur ansteckend wenn es die „offene“ Version ist (wobei es ja schon Fälle an der Schule gegeben haben muss, sonst gäbe es ja nun nicht mehrere Erkrankte) und dann auch nur bei direktem Kontakt.
    Eigentlich versuche ich auch mir selber einzureden, dass es schon alles nur halb so schlimm sein wird.

    TBC – Tagebuch – Tag 2 / Samstag, 02.12.2017

    Wir versuchen ruhig zu bleiben und abzuwarten. In den WhatsApp Klassenchats ist natürlich die Hölle los. Die ersten Zeitungs- und Onlineartikel machen die Runde. Es gibt wilde Spekulationen ob nun alles desinfiziert wird (was Quatsch ist, denn es ist nur über direkten Kontakt übertragbar) und ob die Schule die ganze Woche geschlossen bleibt.

    TBC – Tagebuch – Tag 3 / Sonntag, 03.12.2017

    Für die Kinder ist es nicht einfach nicht den ganzen Tag darüber nachzudenken. Wir sprechen viel darüber und googlen viel. Außer das es eine offene und eine geschlossene Version gibt, wußte ich auch nicht mehr. Ich lerne z.B., dass der Erreger alle Organe befallen kann. In den meisten Fällen aber eben die Lunge betrifft. Manches beruhigt uns und manches wirft neue Fragen auf.

    TBC – Tagebuch – Tag 4 / Montag, 04.12.2017

    Die Schule hat zu, die beiden Großen sind zuhause und es gibt per E-Mail ein paar mehr Infos. Nachdem im Sommer bereits ein Fall einer TBC-Infektion bekannt geworden war (darüber waren wir wie oben erwähnt im Sitzungsprotokoll der Schulkonferenz informiert worden), gab es nun zwei Fälle der offenen und somit ansteckenden Variante. Heute ist die Schule geschlossen weil alle Lehrer im Gesundheitsamt Blut abgeben müssen. In einer weiteren Mail erfahren wir dass die Große am Dienstag zur Blutabnahme in die Schule kommen muss.

    TBC – Tagebuch – Tag 5 / Dienstag, 05.12.2017

    Einer der zwei akuten Fälle, die nun in Quarantäne in der Klinik bleiben müssen ist ein Lehrer. Die Blutentnahme heute ist nun für alle Schüler, welche bei dem der Lehrer Unterricht haben, bei dem statt der Lunge leider die Haut betroffen war, was laut Onkel Google und Tante Bing die superansteckendste Version ist. Die TeenagerTochter hat bei Ihm eine Stunde pro Woche Unterricht und wir gehen zur Blutabnahme in die Schule. Erst gibt es einen Vortrag von einem Mitarbeiter des Gesundheitsamtes für Schüler und Eltern, dann die Blutabnahme.

    Ich informiere unsere Haushaltshilfe und den Gitarrenlehrer des Sohnes über den Verdacht und stelle Ihnen frei ob sie bis zur endgültigen Diagnose zu uns ins Haus kommen möchten. Auch die Nachbarn und Freunde der Jüngsten bekommen eine WhattsApp über das was bei uns so abgeht.

    Wir stellen aber auch schnell fest, das wir Erwachsenen ja alle noch geimpft sind.

    TBC – Tagebuch – Tag 6 / Mittwoch, 06.12.2017

    Nikolaus ist dieses Jahr irgendwie „unter ferner liefen“. Ab heute ist wieder Schule. Auch für die Tochter heißt es Beschulung durch die Schule statt Praktikum. Denn erst wenn die Blutproben ausgewertet sind und man sicher ist, dass keine Ansteckung von dem Kind ausgehen kann, darf es in den Praktikumsbetrieb gehen.

    Die Schule war Montag und Dienstag lediglich geschlossen, weil Montag die Lehrer alle ins Gesundheitsamt mussten und am Dienstag das Gesundheitsamt die Blutabnahme und Aufklärung in den Räumen der Schule machen musste. Für so viele Betroffene und ihre Angehörigen sind die Räume im Amt einfach viel zu klein.

    TBC – Tagebuch – Tag 7 / Donnerstag, 07.12.2017

    Weiterhin normale Beschulung. Ich gehe zu einem Termin und höre anschließend zuhause den Anrufbeantworter ab. „Guten Tag, hier spricht Herr M. vom Gesundheitsamt, wenn sie das abhören finden sie sich bitte sofort in die Schule Ihrer Tochter ein!“ Ich denke ich habe mich verhört, aber nach nochmaligen anhören werde ich nervös.
    Ich versuche in der Schule Jemanden zu erreichen, aber dort ist dauerbesetzt. Jetzt ergreift mich die Panik und meine Hände nach dem Autoschlüssel. Ich fahre wie paralysiert in die Schule. Im Sekretariat weiß niemand etwas. Sie fragen bei den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes nach und holen anschließend meine Große aus dem Unterricht. Der fällt, als sie mich im Gang entdeckt, alles aus dem Gesicht. Ich erzähle Ihr vom Anruf und versuche sie (und auch mich) zu beruhigen. Wir werden zu den Räumen gebracht, die das Amt belegt hat und werden darüber in Kenntnis gesetzt, dass das Blut unserer Tochter leider TBC-Erreger aufweist und man jetzt eine Röntgenaufnahme benötigt um herauszubekommen ob es sich um die offene Variante handelt. Wir bekommen einen Zettel mit Anschrift und Ansprechpartner in der Uniklinik. Verwirrt, geschockt und dadurch völlig naiv frage ich: „Und wann kann man da mit einem Termin rechnen?“ Der Arzt vom Gesundheitsamt starrt mich an und sagt: „Nicht Termin! Die haben eine Kriesensprechstunde eingerichtet und warten auf sie, sie fahren dort JETZT SOFORT hin und lassen das untersuchen.“

    Als wir den Raum verlassen sitzen im Gang weitere Mitschüler mit Eltern und gucken uns neugierig entgegen. Ich lächle nur verwirrt und wir gehen zum Auto. Ich war anscheinend die Erste die in der Schule angekommen war.

    Während wir auf erneute Blutabnahme und die Röntgenuntersuchung in der Uni-Klinik warten trudeln nach und nach die Familien vom Gang auch dort auf.

    Während die Kinder in Gruppen mitgenommen werden warten wir Eltern im Wartebereich der Kinderklinik und rätseln. Wie konnten sich so viele Schüler anstecken? Sitzen unsere Kinder alle in der ersten Reihe? Wieviele haben sich wohl angesteckt?

    Galgenhumor macht sich breit. Wenn es die offene TBC ist, dann verbringen wir wohl alle Weihnachten zusammen auf der Quarantäne-Station. *hysterischkicher*

    Aber auch Unmut tut sich auf! Die ersten mauligen Stimmen sind zu hören?

    • Warum hat man uns denn nicht früher informiert?
      (es stand im Konferenz-Protokoll!)
    • Wieso ist denn die Schülerin nicht sofort aus der Schule genommen worden?
      (weil nicht gleich klar war, dass sie ansteckend war, die Inkubationszeit beträgt 6-8 Wochen)
    • Warum wurden denn die Räume nicht desinfiziert?
      (weil das bei einer Tröpfcheninfektion nicht hilft)
    • Warum erhalten wir die Informationen aus der Presse?
      (stimmt gar nicht, wir bekamen alles per Mail aus der Schule)

    Mir platzt irgendwann der Kragen und ich frage den Vater der am meisten herummault: „Was wäre anders gewesen wenn sie es schon vor 2 Monaten gewusst hätten? Wenn sie das Protokoll gelesen hätten und es gewusst hätten, was hätten sie denn dann gemacht?“ … Stille…

    Die erste Gruppe ist durch mit Untersuchungen und wir werden gemeinsam in das Arztzimmer gebeten. Alle Lungen sind unauffällig und somit ist Niemand ansteckend, wir werden darüber aufgeklärt, dass die Kinder nun 3 Monate zwei gezielte Antibiotika nehmen und alle paar Wochen zur Blutkontrolle sollten.

    Ich setze die geschockte Tochter Zuhause ab, die chattet nur noch mit Ihren Klassenkameraden und Freunden. Ich fahre weiter, frage beim Hausarzt um die Ecke ob die die Blutkontrollen übernehmen können. Informiere die Praktikumsstelle und fahre noch in die Apotheke.

    Und da sitzt du als Mama auf dem Parkplatz im Auto und kannst nicht in die Apotheke weil die Tränen nicht wieder aufhören. Die gesamte Anspannung der letzten Tage bricht sich plötzlich Bahn. Ich bin müde. So unendlich müde.

    TBC – Tagebuch – Tag 8 / Freitag, 08.12.2017

    Der Praktikumsbetrieb weist sie ab. Zu groß ist die Angst, dass es sich im Ort herumspricht und die Patienten wegbleiben könnten.

    Sie kommt total verstört nach Hause und weiß weder was sie davon halten noch was sie nun machen soll. Zum Glück war ich noch nicht weg und wir schreiben gemeinsam eine Mail an die Schulleiterin, weil per Telefon kein durchkommen mehr ist. Bei über 900 Schülern ist das in der allgemeinen Panik kein Wunder.

    Die Schulleiterin ruft zurück und hat eine Idee. Eine Stunde später hat sie von einem befreundeten Gastronom, dessen Sohn früher auch ein Schüler war, das Angebot, dass sie dort spontan Praktikum machen könnte. Nicht der Traum der Tochter, aber besser als Nichts.

    Gestern waren über 20 Familien in der Uniklinik, weitere 3 Schüler wurden mit der offenen Version von TBC gleich in der Klinik behalten und davon hat natürlich auch die Presse Wind bekommen, die Radiosender berichten halbstündlich darüber und die ganze Stadt weiß nun Bescheid.

    TBC – Tagebuch – Tag 9 / Samstag, 09.12.2017

    Die Nachbarin und andere Freunde drehen am Rad.

    Heute sind natürlich alle Zeitungen voll davon. Inzwischen spricht man von 50 Ansteckungsfällen. Alle fragen bei uns nach, wie schlimm das denn ist, ob sie denn nun Ihre Enkel / Freunde / Familien besuchen können, oder ob sie die nun alle anstecken. Befreundete Ärzte raten zu Mundschutz und Schutzhandschuhen wenn sie mit uns in Kontakt waren und nun Säuglinge besuchen.

    Andere Ärzte aus unserer Verwandtschaft erzählen: „Als ich auf der TBC-Station während der Ausbildung Dienst hatte, haben wir nie Mundschutz getragen!“

    Wir sind verwirrt, überfordert und wissen auch nicht mehr was richtig ist.

    TBC – Tagebuch – Tag 10 / Sonntag, 10.12.2017

    Wir bleiben zuhause und lassen auch Niemanden rein.

    TBC – Tagebuch – Tag 11 / Montag, 11.12.2017

    Erster Praktikumstag, es kehrt ein bisschen Alltag zurück. Die Presse und auch das Gesundheitsamt melden keine neuen positiven Ergebnisse. Dafür gibt es erste kritische Stimmen über die Berichterstattung zu dem Tuberkulose-Ausbruch an Dresdner Schulen. Danke Romina Stawowy.

    TBC – Tagebuch – Tag 12 / Dienstag, 12.12.2017

    Eine Journalistin einer Dresdner Tageszeitung ruft an. Ein Nachbar hat ihr meine Handynummer gegeben. Im ersten Moment denke ich sie möchte wirklich realistisch über die Sache berichten, aber schon bald mache ich Ihr klar, das die Schule alles richtig gemacht hat und auch das Gesundheitsamt alles super im Griff hat. Sie fragt sogar frech ob ich Ihr die Mails der Schule schicken würde, aber das lehne ich ab und beende das Gespräch.

    TBC – Tagebuch – Tag 13 / Mittwoch, 13.12.2017

    Ich versuche so normal wie möglich den Alltag hier durchzuführen, denn die Jüngste ist ja auch noch da und es geht schließlich auf Weihnachten zu.

    Außerdem können wir es eh nicht ändern. Ich bin unendlich dankbar, dass wir in der heutigen Zeit Medikamente und die entsprechenden Bedingungen haben an solch eine Krankheit nicht sterben zu müssen und die Behandlung einfach von der Krankenkasse finanziert zu bekommen.

    TBC – Tagebuch – Tag 14 / Donnerstag, 14.12.2017

    Heute hat der Sohn seine Blutuntersuchung. Nachdem es unter den Schülern mit direktem Kontakt zu dem Lehrer so viele Ansteckungsfälle gegeben hat, werden nun alle Schüler der Schule untersucht. Diesmal muss ich nicht mit und erstelle nur eine Erlaubnis zur Blutabnahme.

    TBC – Tagebuch – Tag 15 / Freitag, 15.12.2017

    Heute ist Weihnachtsmarkt in der Grundschule der Jüngsten und alle fragen natürlich nach ob unsere Großen nicht auf der entsprechenden Schule sind und ob wir betroffen sind und wenn sie hören das es die älteste Tochter erwischt hat, machen sie gleich einen Schritt weg von uns.

    Dem Schulleiter erzähle ich, dass wenn es den Sohn auch erwischt hat, dass ich die Jüngste dann auf eigene Kosten untersuchen lassen würde und Ihm natürlich das Ergebnis mitteilen würde.

    TBC – Tagebuch – Tag 17 / Sonntag, 17.12.2017

    Uns ist nicht nach Weihnachtsstimmung und ausgehen. Wir verkriechen uns etwas und ich verblogge meine Gedanken rund um Krankheit, Geschenke und dem Glück das wir hatten hier.

    TBC – Tagebuch – Tag 18 / Montag, 18.12.2017

    Ich bleibe den ganzen Tag in der Nähe des Telefons. Denn heute würde sich das Amt melden wenn sich der Mittlere auch mit Tuberkulose angesteckt hätte. Zum Glück klingelt kein einziges Mal das Telefon. Ich hätte sonst jedes Mal einen Herzinfarkt bekommen. Wir scheinen also erlöst.

    TBC – Tagebuch – Tag 20 / Mittwoch, 20.12.2017

    Blutuntersuchung der Großen beim Hausarzt. Dort wird nun alle paar Wochen kontrolliert ob die Medikamente vertragen werden. Prophylaktisch soll sie nun Vitamin B6 nehmen, da schon bekannt ist, das dieses mit Einnahme der Medikamente dann fehlt.

    So langsam kehrt wieder Alltag ein und wir freuen uns dann auch mal auf Weihnachten.
    Was für ein Jahresende!


    Januar 2018

    03.01.2018

    Blutuntersuchung der Großen – alles in Ordnung

    Die Tabletten nimmt sie täglich und bis auf Müdigkeit und früheres Einschlafen am Abend haben sich keine Nebenwirkungen eingestellt.

    17.01.2018

    Pressemitteilung des Gesundheitsamtes

    „… insgesamt wurden nun 995 Menschen untersucht und bei 63 Personen war der Test positiv. In diesen Fällen wurde die Übertragung der Erreger nachgewiesen. Darunter waren fünf Personen ansteckungsfähig erkrankt.“

    31.01.2018

    Blutuntersuchung der großen Tochter – alles weiterhin o.k.

    Februar 2018

    28.02.2018

    Heute hat der Sohn seine erneute Blutabnahme. Nach Ablauf der Inkubationszeit wird nochmals getestet ob sich Jemand eventuell doch angesteckt haben könnte.

    Natürlich habe ich nun wieder dieses mulmige Gefühl und ich werde tagelang auch kurz nervös wenn das Telefon klingelt, aber von der Großen weiß ich ja wie unkompliziert und gut verträglich die doofen Tabletten sind.

    März 2018

    05.03.2018

    Heute war ich mit der TT in der UniKlinik zur Röntgenkontrolle. Der Befund ist einwandfrei. Die Antibiotikas haben Ihren Zweck erfüllt. Die Tuberkulose ist nicht ausgebrochen und nun sind die Erreger auch so isoliert, dass sie nicht mehr ausbrechen kann.

    07.03.2018

    Heute bekamen wir die Pressemitteilung, dass es keine weiteren offenen Fälle der Tuberkulose gibt, aber 7 Schüler die sich doch noch infiziert haben und nun die 3 Monaten die Medikamente nehmen müssen.


    Oktober 2019

    Heute schreibe ich meine Gedanken rückblickend in Ruhe dazu auf. Ich habe die Texte hier ergänzt und ausformuliert um betroffene Familien zu beruhigen. Es kommt viel an Sorge wieder hoch und ich hatte teilweise die Tränen wieder in den Augen.

    Aber vielleicht kann ich mit diesem Bericht auch vielen betroffenen Familien ein wenig die Angst nehmen. Für mich war am wichtigsten, dass ich ruhig bleibe. Wenn ich als Mama nicht der Fels in der Brandung gewesen wäre, hätte das hier wahrscheinlich zu mehr Chaos geführt.

    Also mein wichtigster Tipp: Ruhe bewahren!

    Rückblickend sagt die betroffene Tochter dass sie sich an die schrecklich langen Minuten in der Klinik erinnert die wir auf das Röntgen-Ergebnis warten mussten und wie ätzend es war täglich zwei Tabletten schlucken zu müssen. Aber ansonsten war es nur halb so wild.


    [tiny_coffee]

  • Die unbekannte Krankheit – Mein jahrelanger Leidensweg … ODER … Warum die klassische Medizin nichts gefunden hat!

    Die unbekannte Krankheit – Mein jahrelanger Leidensweg … ODER … Warum die klassische Medizin nichts gefunden hat!

    Ich möchte gar nicht wissen wie viele Menschen in diesem Land unter einer Krankheit leiden, die so sagenhaft schwer zu erkennen ist. Die aber vielleicht der Grund für so viele Migräne-, Magen- oder andere Leidens-Patienten sein könnte.

    Ich wurde in den letzten Wochen für ein Magazin dazu interviewt und habe mich nach langer Zeit mal wieder intensiver mit dem Leidensweg der letzten 12 Jahre beschäftigt. Wobei es mir erst heute als Leiden bewusst wird. In den Momenten, in denen es mir schlecht ging, empfand ich es noch gar nicht so und kämpfte einfach nur um überleben im Alltag mit Kindern, Anerkennung und endlich Hilfe zu finden.

    Ende 2007

    Es begann mit Rückenschmerzen. Wir lebten in Spanien, ich schleppte mein knapp einjähriges Kind (ein sehr kräftiger noch nicht laufen könnender Wonneproppen) auf der Hüfte täglich zur Schule um die „Große“ (damals 3 Jahre) abzuholen. Um den Kinderwagen aus dem Auto zu holen war die Strecke zu kurz, für den Rücken aber eigentlich zu lang. Ich hatte meine Essensgewohnheiten umgestellt, viel Sport gemacht, um die Schwangerschaftspfunde wieder abzunehmen und war überzeugt, dass mein Körper das schon schafft mit der Belastung. Das zwicken im unteren Rücken ignorierte ich. „Durch die Hormone nach der Schwangerschaft und die allgemeine Rückbildung nach dem Abstillen wird das sich alles wieder einrenken.“ … Dachte ich! Auch die Kreislaufprobleme die mich ab und an plagten redete ich mir schön.

    Ende Dezember kam dann der Umzug zurück nach Deutschland. Keine Zeit für Rückenschmerzen oder Kreislaufprobleme. Und für Arztbesuche schon mal gar nicht. Schon mal gar nicht bei spanischen Ärzten. *augenroll* Aber das ist eine andere lange Geschichte.

    Anfang 2008

    Vorerst zog ich mit den Kindern zu meinem Vater nach Münster und der GG in eine klitzekleine Wohnung in Düsseldorf. Wir suchten dort nun nach einem Haus für uns. In dieser Zeit hatte ich immer wieder mit Übelkeit und Kreislauf zu kämpfen, bekam aber auch unbeschreibliche Rückenschmerzen. Schnell war klar: Bandscheibenvorfall. Mit 2 kleinen Kindern, in einem Haushalt und Alltag, der nicht meiner war überlebte ich nur mit sehr viel Schmerzmitteln, einer ambulanten Reha und einer großartigen Tagesmutter. Schnell wurden aber leider auch die Übelkeit und Kreislaufprobleme schlimmer, so dass ich mich immer nach dem Frühstück kurz wieder hinlegen musste. Der Hausarzt und die Reha-Ärzte schoben es auf die Schmerzmittel und verschrieben mir erst Magenschutzmittel und später Tropfen die meinem Hirn vorgaukeln es gäbe diese Übelkeit nicht.

    Dann kam im April der Umzug nach Neuss. Wir hatten ein Haus gefunden. Ich setzte die Schmerzmittel nach erfolgreich beendeter Reha langsam ab. Auf die Tropfen verzichtete ich auch immer öfter, denn diese machen auf Dauer abhängig.

    Die Übelkeit aber blieb. Sie weckte mich so gegen 04:00 Uhr jeden Morgen und dauerte immer bis ca. 11:00 Uhr. Ich schob es auf die Schmerzmittel die mir vermutlich so schlimm auf den Magen geschlagen waren. Leider blieb aber auch der Durchfall, der die Übelkeit immer begleitete.

    Mitte 2008

    Es wurde aber auch mit viel Geduld, gesundem Essen, Magen-Darm-Bakterien-Aufbau-Mitteln und anderen Nahrungsergänzungsstoffen nicht besser.

    Eine monatelange Ärzte-Odyssee begann. Jeder Spezialisten-Besuchs-Marathon beginnt für Kassenpatienten mit einer Wartezeit von 6-8 Wochen auf den ersten Termin. Dieser beinhaltet ein Erstgespräch und vielleicht eine Blutabnahme. Dann wartet man 2 Wochen auf den neuen Termin für die Besprechung der Blutergebnisse. Anschließend eventuell weitere Untersuchungen und weitere Wartezeiten auf das Ergebnis. So vergingen MONATE!
    Aber jedes mal erfuhr ich erst zum Schluss welchen Verdacht der Doc hatte und jedes mal aber auch, dass es das zum Glück nicht war. Man schickte mich weiter, zum nächsten Facharzt. Zur nächsten Wartezeit, auf den nächsten Termin.

    Ich erlebte immer und immer wieder die schrecklichsten Sachen, litt aber so sehr unter der Übelkeit, dem Durchfall und den Kreislaufproblemen, dass ich die Hoffnung nicht aufgab, dass es irgendwann einmal Jemanden geben könnte, der mir sagt was es ist und was ich dagegen tun könnte.

    Der Gastroenterologe machte eine Magenspiegelung bei vollem Bewusstsein. *würg*

    Der Gynäkologe machte einen großen Hormonspiegel, hat (wie ich heute weiß) Hormonwerte falsch gedeutet und ich musste mit Verdacht auf Hirntumor ins MRT.

    Der Neurologe vermutete Multiple Sklerose und machte unzählige Tests.

    Der Endokrinologe verpasste mir eine Magensonde, diesmal unter Kurznarkose aber mit verlorener Sonde die er nach Telefonat mit dem Hersteller aus dem Magen zurückholen musste, die einen eventuellen Reflux messen sollte.

    Der Allergologe machte ebenfalls alle nur möglichen Tests.

    JEDER Arzt vermutete bei der Erwähnung der Morgenübelkeit eine Schwangerschaft. Nach 1,5 Jahren konnte ich darüber nur milde lächeln und meinte dass ich dann aber inzwischen im 21. Monat wäre. Ich war jedes mal natürlich froh, weder Tumor, MultipleSklerose oder einen Reflux in der Speiseröhre zu haben, aber es ging mir ja weiterhin schlecht.

    JEDER Arzt vermutete aber auch, nachdem sein Verdacht nicht bestätigt wurde, dass es vielleicht psychisch sein könnte. *augenroll* Inzwischen weiß ich das der klassische Mediziner es immer darauf schiebt wenn er einfach nicht weiter weiß!

    Anfang 2009

    Ich ging also dann doch mal zu einer Psychologin. Nach 300 Fragen die ich auf einem Fragebogen beantworten musste war aber schnell klar: „Sie neigen weder zu Depression noch zu Hysterie. Sie sind völlig normal! Ich gebe Ihnen trotzdem Antidepressiva, die steigern die Schmerzgrenze ihres Körpers und sie kommen einfach mal zur Ruhe.“

    Es wurde ENDLICH besser! Ich schlief bis die Kinder auch aufstehen mussten! Ich konnte morgens essen ohne anschließend auf die Toilette zu rennen. Allerdings schlief ich so tief und fest, dass ich die Kinder (6 und 3 Jahre alt) Nachts nicht mehr hörte und ich war sogar so ruhig gestellt, dass ich mich tagsüber über nichts mehr aufregte und auch nicht mehr schimpfte.

    Ich hatte von einer halben Tablette täglich (depressive Menschen dürfen bis zu 10 ganze Tabletten am Tag) eine absolute „Scheiß-Egal-Einstellung“ entwickelt. Ich funktionierte im Alltag einfach, das war aber auch alles.

    Nach 3 Monaten sprach mich auf einer Familienfeier mein Schwager an (von Beruf Arzt) und fragte: „Was nimmst du?“ Ich: „Wieso?“ Er: „Du bist nicht mehr du! Also, was nimmst du?“

    Ich merkte natürlich auch schnell, es ist zwar schön sich nicht ärgern zu müssen, aber ich freute mich eben über oder auch auf gar nichts mehr. Also hörte ich lieber wieder auf und schlich das Zeug wieder aus.

    Mitte 2009

    Es wurde wieder schlimmer.

    In dieser Zeit nahm meine Mutter mich bei den Hochzeitsvorbereitungen für meinen kleinen Bruder zur Seite und sagte mit Tränen in den Augen: „Ich nehme Deine Kinder und du lässt dich in eine Klinik einweisen.“

    Sie hatte Angst ich wäre Magersüchtig geworden! Ich hatte durch den ständigen Durchfall natürlich stark abgenommen und eine kränklich, gräuliche Hautfarbe bekommen. Es blieben schließlich die meiste Zeit des Tages keine Nährstoffe in mir. Über diese Abnahme hatte ich mich sogar ein wenig gefreut. Irgendwas positives wollte ich doch sehen in dem ganzen Scheiß.

    Aber ich lehnte den Vorschlag meiner Mutter ab, denn ich war bei jedem möglichen Spezialisten gewesen. In der Klinik hätten die die Untersuchungen nur wiederholt.

    Ich war bereit für einen „Wunderheiler“. Ich konnte und wollte nicht mehr. Ich wäre in dieser Zeit zu jedem „Scharlatan“ gegangen um endlich wieder gesund zu werden. Über eine andere Verwandte landete ich zum Glück bei einem tollen Homöopathen. Der behandelte mich mit seinen für mich damals dubiosen Methoden. Anschließend sollte ich drei Tage Weizen und Alkohol weglassen. Er vermutete eine Lebensmittel-Unverträglichkeit, bekam es aber nicht genau definiert. Dann nahm ich lange homöopathische Tabletten gegen Wechseljahre um den Hormonhaushalt wieder in den Griff zu bekommen.

    Ende 2009

    Es half! Es ging mir besser!

    Ich wurde Schwanger und es war schlagartig Ruhe. Ich nahm nichts mehr und mein Körper ging voll und ganz in der Nestpflege auf und war nur noch mit dem Baby beschäftigt. Ich nahm zu und alles war als hätte es das Problem nie gegeben.

    Mitte 2010

    Wurde ich zum dritten Mal Mutter. Alles lief völlig normal.

    Kurz nach der Geburt begann der GG einen neuen Job in 600 km Entfernung und war nur noch am Wochenende bei uns. Mit einem Schulkind, einem Kindergartenkind und einem Stillkind war ich also nun von Montag bis Freitag ganz alleine. Aber alles war gut.

    Anfang 2011

    Wir folgten als Familie dem GG nach Dresden. Alles schien perfekt.

    Nach dem abstillen ging es aber wieder los. Morgendliche Übelkeit, Durchfall und die Kreislaufbeschwerden.

    Ich nahm einfach die homöpatischen Mittel gegen Wechseljahre wieder, die halfen aber nicht mehr wirklich. Ich suchte und fand eine neue Homöopathin. Wir probierten sehr viel herum. Ich bekam Gürtelrose und viele andere seltsame Erscheinungen, aber das richtige Mittel fanden wir nicht.

    Ich dachte es läge am Stress der letzten Jahre und machte eine Mama-Auszeit. Eine Yoga-Reise. Eine Woche auf Mallorca. Nur ich, keine Kinder und KEINE Termine. Dort lernte ich sehr viel über mich und auch die Organuhr kennen. Demnach hat jedes Organ unseres Körpers eine Zeitspanne, zu der es am aktivsten ist. Zwischen 4 und 11 sind das Dickdarm, Magen und Bauchspeicheldrüse. Das brachte mir endlich eine kleine Erklärung warum ich immer um 4:00 Uhr aufwachte und es um 11:00 Uhr besser wurde.

    Ende 2011

    Bei meiner Mutter wurde Histamin-Intoleranz diagnostiziert. Meine Mutter ist privat versichert und bei einem Bluttest, wegen etwas ganz anderem, war das ein zufälliger Nebenbefund.

    Sie hatte allerdings völlig andere Symptome und reagierte auf ganz andere Lebensmittel als ich. Sie hat das immer auf einen „nervösen“ Magen geschoben. Wenn wir heute darüber nachdenken wird aber vieles schon Ihr und mein ganzes Leben darauf hingedeutet haben. Man nennt das nicht umsonst auch die „Krankheit der 1000 Symptome“. Es gibt unzählige Beschwerden die Histamin-Intolerante haben.

    Diese Intoleranz ist unter den klassischen Medizinern aber auch weitestgehend unbekannt oder wird zu selten anerkannt. Ich erlebe inzwischen ganz oft, dass sie nachschlagen müssen was ich vertrage wenn ich erwähne das ich HI (Histamin-Intolerant) bin. Die Schmerzmittel zu Zeiten des Bandscheibenvorfalls und auch die Narkosemittel, die ich während der Kaiserschnitte bekam und immer zu Übelkeit und kurzer Ohnmacht führten, waren alles Mittel die HI-Patienten nicht bekommen dürfen.

    Meine Homöopathin behandelte mich nun ebenfalls in die Richtung.

    Ich habe mega viel im Internet recherchiert und Bücher dazu gelesen. Ich ernährte mich strikt eine Woche nur von Reis, Kartoffeln und Nudeln. Das sind die Lebensmittel die frisch zubereitet nie Histamin enthalten. Es ging mir relativ schnell besser. Anschließend habe ich dann Lebensmittel für Lebensmittel ausprobiert und auf meinen Körper gehört. Seit dem merke ich oft sogar beim zubereiten schon obs geht oder eben nicht.

    Seit dem bin ich ein neuer Mensch. Seit ich das weiß und mich danach ernähre geht es mir blendend. 

    Histamine schaden auf 3 verschiedene Arten

    1. Sie sind in einigen Lebensmitteln (Banane, Erdbeeren, Spargel u.v.m.) in sehr großen Mengen enthalten. Sachen die ich mein ganzes Leben nie gerne gegessen habe. Vermutlich wehrte mein Körper sich so schon immer dagegen.
    2. Es gibt Lebensmittel die das körpereigene Histamin freisetzen oder die Produktion des Stoffes verhindern an das das Histamin andocken kann. Diese Lebensmittel sind absolut nicht benennbar, das ist bei jedem Intoleranten unterschiedlich und muss ausgetestet werden.
    3. Alle haltbar gemachten Lebensmittel entwickeln Histamin (Tiefkühlkost, Konservendosen, geräuchertes, gepökeltes, …).  Wir haben schon immer einen Thermomix und kochen frisch. Aber TK-Gemüse und -Fleisch, Konservendosen, Kaffee und ganz viele Gemüse und Früchte gehen einfach nicht mehr. 

    Nach meiner 11:00 Uhr – Grenze gehen 1 Latte Macchiato und etwas Schokolade wieder. Ich vermisse Rotwein, Ananas, Paprika, Erdnüsse, Essig!!! Fleisch und Fisch gibt es nur noch ganz frisch. Gemüse habe ich durch Broccoli ersetzt, den kann ich aber oft schon nicht mehr sehen. Ich esse kein aufgewärmtes Essen mehr. Salat gibt es nur noch mit Joghurt-Dressing, und Essen gehen ist jedes Mal ein Risiko. Und kein Alkohol. Vielleicht mal ein Gläschen ganz süßen Wein.

    Der Lohn dafür aber ist ein endlich wieder normales Leben mit meiner Familie. DAS ist es absolut wert. Mein Körper hat sich eingependelt und meldet jeden Verstoß mit einem sofortigen hochrotesm Gesicht. Etwas später renne ich sofort auf die Toilette. Manchmal bekomme ich nach Anstrengung auch eine Kurzatmigkeit als wäre ich einen Marathon gelaufen. Aber, ich weiß ENDLICH woran das liegt und nehme im Akutfall hochdosiertes Vitamin C. Daran dockt Histamin im Blut sofort an und der Köper normalisiert sich relativ schnell. Antihistaminika wie Allergiker sie nehmen möchte ich nicht probieren. Die machen Müde und solange ich es über die Ernährung gesteuert bekomme reicht mir das.

    Ich genieße es sehr, endlich zu wissen was ich essen und trinken kann und was ich besser lasse.

    Es geht mir RICHTIG gut.

    Dadurch, das mein Körper nun aber wieder alle Nährstoffe verarbeiten kann habe ich zugenommen. Erst dachte ich „yeah, er arbeitet endlich wieder normal“ aber inzwischen ist es mit den Wechseljahren kollidiert und es ist einfach zuviel geworden.

    Aber lieber so als zu dünn mit grauer Haut. 🙂

    Das war meine Geschichte! Und ich kann nur jedem Raten, dem die klassische Medizin nicht helfen kann oder will, sich mal mit dem Thema Histamin-Intoleranz zu beschäftigen.

    Schreib mir gerne Fragen hier in die Kommentare oder per E-Mail.


  • Die „positivere“ Sicht auf die Landtagswahl in Sachsen … ODER … was die Bild NIEMALS schreiben würde! ;-)

    Die „positivere“ Sicht auf die Landtagswahl in Sachsen … ODER … was die Bild NIEMALS schreiben würde! 😉

    Ich lebe als Westfälin in Sachsens Hauptstadt! Vorgestern hatten wir Landtagswahlen und alle kennen das Ergebnis! Meine Leser, Freunde und Familie wissen auch wie groß mein Heimweh nach NRW und dem Münsterland ist.

    Gestern Abend erreichten mich nach den ersten Hochrechnungen viele private Beileidsbekundungen aus Schleswig-Holstein, Bayern, NRW und Hessen über WhatsApp, Mail und diverse andere Messenger-Dienste. Dafür bedanke ich mich ganz ganz herzlich bei Euch allen!

    Wenn ich aber heute in den Artikeln, Zeitungen und Kommentaren on- und offline lese, dass „jeder 4. Sachse“ ein Nazi ist, dann kann ich nur ganz laut rufen: STOP STOP STOP!

    Denn …

    1. Die erreichten 27,5% der blauen Partei, dessen Name ich hier nicht ausschreiben werde um denen nicht noch mehr SEO-Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, sind nur die 27,5% von den 66,6% Sachsen die überhaupt wählen waren. Wenn man das auf alle Mitbürger dieses Bundeslandes hochrechnet, waren das nämlich nur 18,3% die bei DENEN das Kreuzchen gesetzt haben.
      Das ist nicht mal jeder 5. !!!
    2. im Umkehrschluss heißt das doch: 72,5% der Wähler haben NICHT die unnennbare Partei gewählt!
    3. umgerechnet sind es also 81,7% der Sachsen haben NICHT die unnennbare Partei gewählt!
    4. nicht alle Wähler dieser Parteien sind gleich Nazis. Die haben einfach die Partei gewählt, die Ihnen zugehört und darauf reagiert hat. Ob das alles so stimmt was die erzählen, ist da doch erstmal belanglos.
      Also nicht mal jeder 6. ???
    5. wenn man sich anguckt welche Wahlkreise die meisten blauen Wähler haben, dann sind diese in den Landkreisen, in denen die Bürger sich total sitzengelassen fühlen. Wer von Euch ist schon mal dort gewesen?
      Zieht man diese „Protestwähler“ ab, ist vermutlich nicht mal jeder 7. ein Nazi.
    6. das ganze auf die Stadt bezogen in der ich hier lebe, ist es dann schon vielleicht nur noch jeder 10. !!!

    Hier in Sachsen überrascht das Ergebnis kaum Jemanden. Wir sind eher dankbar, dass die Prognosen der letzten Wochen und Monate NICHT eingetreten sind.
    Dieser Aufschrei, hauptsächlich ausgelöst durch die Medien, der nun gerade durch Deutschland geht, zeigt mir eigentlich nur wie wenig sich diejenigen die nun am lautesten seufzen, mit diesem Bundesland beschäftigen.

    Und was erreicht man damit?
    Dass weiterhin mit dem Finger auf uns gezeigt wird. 🙁

    Versteht mich nicht falsch ich möchte nicht schönreden für was die Partei mit dem blauen Logo steht, auf gar keinen Fall. NICHTS davon ist irgendwie richtig. Aber sie treffen bei einigen hier den richtigen Nerv. Nicht bei Vielen, und schon mal gar nicht bei FAST ALLEN!

    Nur bei einigen WENIGEN.

    Und auch wenn es mich stört, dass man hier nicht offen einfach seine Hilfe immer und überall erzählen kann, so finde ich es trotzdem unfair die Sachsen alle in einen Pott zu schmeißen.


  • Tu Gutes und rede darüber! … von wegen! In Dresden lässt man das lieber! :-( #bloggerfuerfluechtlinge

    Tu Gutes und rede darüber! … von wegen! In Dresden lässt man das lieber! 🙁 #bloggerfuerfluechtlinge

    Meine treuen Leser wissen wie sehr ich mich mit dem Blog und auch im echten Leben für die Flüchtlingshilfe einsetze. Aber jetzt war es lange ruhig und es kamen nun einige Nachfragen was denn daraus geworden ist.

    Im Spätsommer 2015 kam die erste Flüchtlingswelle und mein Helfer-Gen ließ mich direkt reagieren. Ziemlich schnell war Dresden, Heidenau, Freital & Co in der Presse, mit leider sehr negativen Berichten. So kämpfte ich mit anderen Dresdner Bloggern gegen diese negative Berichterstattung, denn nicht alle Dresdner sind so, wie sie von den Medien immer wieder gerne dargestellt werden.

    • Ich spendete nicht nur noch an den Oxfam-Shop (in dem ich nun seit 5 Jahren arbeite), sondern auch sehr viel an das Deutsche Rote Kreuz.
    • Ich überredete den Göttergatten in seiner Hauptverwaltung eine „Sachspende“ zu erfragen. Als Heidenauer Produktions-Betrieb eines Weltkonzerns spendete man palettenweise Hygieneartikel (möchten aber offiziell nicht genannt werden). Ich koordinierte die Lieferung an das Deutsche rote Kreuz.
    • Ich engagierte mich für die „Blogger für Flüchtlinge“! Wir schrieben über Willkommensfeste und Hilfsaktionen für die Flüchtlinge, sammelte Spenden.
    • In dem Rahmen interviewte ich den Vorsitzenden des sächsischen Flüchtlingsrates und berichtete wo unsere Spendengelder hingehen und genutzt werden.
    • Wir riefen zu einer Postkartenaktion auf, die Deutschland bat den angegriffenen Flüchtlingen in Heidenau Willkommenspostkarten zu schicken. Auch da bekam ich über Kontakte ein paar „Beweisfotos“ zugespielt, das diese wirklich angekommen sind.
    • Ich habe beim Deutschkurs geholfen.

    Ich habe mich echt viel mit dem Thema beschäftigt und auch sehr viel mit den Menschen in meinem Leben damit auseinandergesetzt.

    Mit was ich nicht gerechnet habe ist der Hass der einem plötzlich begegnet. Natürlich war mir klar, dass ich angefeindet werde. Natürlich war mir klar dass ich nicht so agieren kann wie ich das gerne getan hätte. Zum Schutz meiner Familie musste ich mich echt zusammenreißen.

    Ziemlich schnell war klar welche Nachbarn und Freunde meine Einstellung nicht teilen und eher das Gegenteil wollen. Ich bin aber ein weltoffener und großzügiger Mensch und dachte, das verschiedene politische und religiöse Einstellungen eine Freundschaft nicht beeinflussen.

    Dann wurde in unserer Straße ein Asylbewerberheim eröffnet und ich war auf einer Informationsveranstaltung in der Gemeindekirche. Mir war klar, das es dort viel Unmut und Stimmungsmache geben würde. Ich machte mir den ganzen Abend Notizen und wollte darüber berichten, aber ich war so traurig, wütend und schockiert, dass ich es bis heute nicht geschafft habe darüber zu schreiben. Da saßen Menschen aus meinem persönlichen Umfeld so voller Hass und Vorurteile, das mir die Luft wegblieb. Unsere Älteste wollte unbedingt mit und hielt es nach einer Stunde nicht mehr aus. Zuhause hat sie bitterlich geweint. Sie hatte sehr viele Eltern Ihrer Mitschüler erkannt und war schockiert von den Aussagen.

    Das war aber auch nicht das erste Mal, das den Kindern schmerzlich bewusst geworden war, wie verschieden die Meinungen zu dem Thema sind. Sie wurden auch von Ihren Mitschülern mit haarsträubenden Meinungen konfrontiert. Ich versuchte Ihnen immer wieder klar zu machen das dahinter oft Unwissenheit und Angst stecken und bemühte mich sehr sie zu beruhigen.

    Wir sind bisher für den Job des Göttergatten alle 2 Jahre umgezogen. Erfahrungsgemäß dauert es an einem fremden Ort ca. 2 Jahre sich sein soziales Netzwerk und einen Freundeskreis aufzubauen. Das ist oft mühsam und ich hatte mich sehr gefreut, dass wir hier nun schon so viel länger bleiben durften. Nun habe ich aber durch diese Ereignisse neue andere Freunde. Man lernt seine Freunde und Nachbarn ganz neu kennen.

    Ich bin die Elternrätin in der Klasse des Grundschülers. Auch in dessen Nähe gibt es eine Flüchtlingsunterkunft. So kamen dann einige E-Mails, in denen sich Eltern erkundigten wie denn die Schließregelungen der Eingangstüren der Schule nun angepasst würden. Wie man denn mit der veränderten Sicherheitslage umgehen möchte. Ich war wieder sprachlos schockiert und es hat dann zum Glück eine fast einstimmig beschlossene Stellungnahme vom Gesamtelternrat gegeben. Zum Glück gab es aber auch Vorschläge, dass dort einziehende Kinder vielleicht an unserem Sportunterricht teilnehmen könnten.

    Heute, genau. 4 Jahre später, bin ich noch immer genervt von dem Umstand, dass ich in sehr vielen Gesprächen echt überlegen muss was ich sage um die Gespräche nicht in Richtung Flüchtlinge gehen zu lassen und mit einigen noch verbliebenen Freunden bestimmte Themen krampfhaft zu vermeiden. Das fällt mir sehr sehr schwer, denn ich bin ein offener und sehr ehrlicher Mensch. Mit mir kann man nur schwer Spekulieren, ich brauche Fakten um zu Diskutieren. Ich mache meiner Meinung dann aber auch immer Luft und möchte keine Rücksicht nehmen. Das kann ich aber hier in Dresden nicht mehr.
    Was mein Heimweh nach NRW leider nur noch mehr verstärkt.

    Ich glaube auch nicht mehr an einen Zufall das die mündlichen Noten meiner Kinder absackten, seit manchen Lehrern unsere Meinungen zu dem Thema klar sind.

    Ich werde weiter sammeln, helfen, spenden und mich kümmern, aber ich berichte nicht mehr über alles. 🙁

    In diesem Sinne: Reden ist Silber, aber Schweigen ist eben manchmal doch Gold!

  • Was Gaffer alles auslösen können! … ODER … Sprachlos am Unfallort!

    Was Gaffer alles auslösen können! … ODER … Sprachlos am Unfallort!

    Es ist mitten in der Nacht und ich kann nicht einschlafen. Wir haben heute drei Unfälle miterlebt und was wir gesehen haben lässt mich nicht schlafen. Ich schreibe mir das und den Unfall nun hier von der Seele und hoffe es wird dann für mich etwas einfacher.

    Deutsche Autobahnen

    Wir sind heute gestern aus NRW zurückgefahren nach Dresden. Die ersten 100 km waren wir auf Landstraßen unterwegs weil mal wieder ein Unfall am Autobahnkreuz passiert war. Dann hatten wir 400 km „freie“ Fahrt mit ein paar Baustellen und den üblichen Geschwindigkeitsbegrenzungen. Nun freuten wir uns auf die letzten 100 km. Wir, das waren meine drei Kinder, eine Freundin der TT die bei uns Urlaub macht und ich. Das Spanienkind sah einen Unfall, der gerade erst passiert sein musste. Ein Auto hatte sich überschlagen, zwei PKW und ein Tanklaster fuhren vor uns an den Rand und mein Sanitäterkind rief: „Mama, da kann ich vielleicht helfen!“ Da ich Ihn bei einem Johanniter-Wettkampf erlebt und vor einer Woche erst selber einen Ersten Hilfe Kurs gemacht hatte, hielt ich also ebenfalls an.

    Den Mädels auf der Rückbank sagte ich, dass sie bitte auf alle Fälle im Auto bleiben sollten. Ich schnappte mir die Warnweste und mein Handy und lief mit dem Sohn zurück zum Unfall.

    Das Auto lag auf dem Randstreifen auf dem Dach

    Uns kam ein junger Mann entgegen der immer um das Auto lief, das dort auf dem Dach lag. Ich fragte Ihn ob alle raus sind. Er nickte nur und lief wieder los. Ich bat Ihn sich hinzusetzen, damit er nicht verwirrt auf die Fahrbahn lief, wo weiterhin der Verkehr in einer Wahnsinns Geschwindigkeit an uns vorbeirauschte. Eine junge Frau saß am bewachsenen Straßenrand und hielt sich eine Kompresse an das blutende Ohr. Auf einer Motorhaube lag ein offener Verbandskasten und noch 2 Männer standen zwischen Ihr und dem angehaltenen PKW. Da keiner so recht wusste was er machen sollte drückte ich meinem Sohn das Verbandzeug in die Hand, übernahm das Kommando, schickte den einen Mann aus dem PKW sein Warndreieck suchen und aufstellen und fragte die Frau was Ihr weh tut. Sie sagte nichts und ich guckte wo sie eventuell noch blutet. Dem Spanienkind rief ich zu: „Zieh Dir Handschuhe an und mach einen Druckverband!“

    Im erste Hilfe Kurs hatten wir nämlich immer wieder gelernt: Erst Selbstschutz (also Unfallstelle absichern und Handschuhe anziehen) dann Hilfe. Ich hatte zwar schon Blut an den Fingern, wusch das dann aber ab mit dem Wasser was der Tankwagen-Fahrer dann geholt hatte. Mein Sohn machte den Druckverband, bat mich um Klebestreifen und der PKW-Fahrer kam zurück und meinte Polizei und Krankenwagen seien verständigt.

    Nun hieß es warten

    Die Frau blieb ruhig sitzen, der Mann räumte einhändig Sachen aus dem Unfall-Auto (seine andere Hand war verdächtig blau und angeschwollen). Erst jetzt wird mir bewusst, dass er sich kaum um sie kümmerte. Wahrscheinlich der Schock. Ich lief schnell zurück zu den Mädels in meinem Auto und erzählte das alles soweit in Ordnung ist, wir aber bleiben bis der Krankenwagen käme.

    Ich fand einen Zauberwürfel, ca. 100 Meter von Unfall entfernt. Der junge Mann der zu Auto und der verletzten Frau gehörte kam mit entgegen, keine Ahnung wohin er ging, aber der Würfel gehörte Ihm. Verrückt wie weit die Sachen aus dem Auto dort verstreut lagen. Ich fragte mich zwar kurz wo er denn hinwolle, da knallte es aber auf der Gegenfahrbahn. Ein Gaffer hatte gebremst, ein zweiter Gaffer war ihm voll hinten reingefahren.
    Zurück bei unserem Unfall lief mein 11 Jähriger um das verunfallte Auto herum und kontrollierte ob irgendwo Flüssigkeiten auslaufen. Da kam dann zum Jungen Sanitäter auch noch der Freiwillige Feuerwehrmann in ihm durch. Ich fragte die junge Frau nochmal wie es Ihr geht. Die Blutung hatten wir gestoppt und ich fand nun heraus, dass die Beiden gar kein Deutsch sprechen. Wie auch der Tankwagen-Fahrer. Also alles in englisch.

    Der dritte Unfall

    Auf der gegenüberliegenden Spur bildete sich natürlich durch den Unfall ein Stau und alle bremsten mit quietschenden Reifen um dann schnell an der Unfallstelle an der mittleren Leitplanke vorbeizufahren. Ich entdeckte das Warndreieck auf unserer Seite direkt hinter dem PKW und hatte sofort im Kopf, dass es auf der Autobahn mindestens 200 Meter weit weg stehen sollte. Auf unserer Seite rasten die Autos und LKWs schließlich ungemindert weiter hinter uns hinweg. Außerdem waren wir hinter einer Anhöhe und Kurve!

    Als ich zurückkam hatte sich auf der Gegenspur weiter hinten ein weiterer Unfall ereignet. Erst dachte ich ein blauer LKW hätte extra die Fahrbahnen versperrt, da sagten mein Sohn und der PKW-Fahrer aber, dass es da auch fürchterlich geknallt hätte.

    Wir standen sprachlos am Unfallort und konnten nur noch den Kopf schüttelten über das, was da alles sonst noch so um uns herum passierte.

    In dem Moment kam die Polizei und wäre fast an uns vorbeigefahren. Das Spanienkind blieb bei der Frau und ich lief vor um den Krankenwagen einzuweisen. Nicht, dass der auch vorbeifährt und erst hinter dem Unfall, dem Tanklaster und uns anhalten könnte.

    Da das etwas gedauert hat, hatte ich kurz Zeit Fotos zu machen. (Nur als kleine Erklärung. Denn auf Instagram wurde ich Abends, als ich was zu den Gaffern mit dem Foto gepostet hatte, direkt angegiftet ich solle lieber helfen statt zu fotografieren!)

    Die Sanitäter kümmerten sich gleich um die Frau, legten eine Halskrause an, brachten sie in den Krankenwagen und lobten meinen Mittleren: „Spektakulärer Einsatz, das hast du super gemacht.“ Ich platze noch immer vor Stolz. Ich blieb noch kurz zum übersetzen und brachte Ihre Ihre Handtasche ohne die sie nicht einsteigen wollte. Der junge Mann telefonierte die ganze Zeit und kümmerte sich noch immer nicht.

    Was ist passiert?

    Wir haben der Polizei noch unsere Daten gegeben und haben dann die Mädels erlöst, die uns dann erstmal den Unfall des blauen LKWs auf der Gegenspur erzählten. Den hatten sie quasi aus erster Reihe miterlebt. Und sie zeigten mir ein weiteres Auto, das weit vor uns sehr schief auf dem Randstreifen stand, und aus dem wohl als sie warteten eine schwankende Frau ausgestiegen war, um die sich dann aber einer der Polizisten gekümmert hatte. Vielleicht hatte die auch noch mit dem umgestürzten Auto zu tun gehabt, denn der junge Mann und die Frau konnten sich absolut nicht erinnern was passiert war und der Tankwagen- und PKW-Fahrer erzählten nur von einer Staubwolke und dem überschlagenden Auto welches sie gesehen hatten. Und vielleicht war der junge Mann auch zur Ihr gelaufen als ich den Zauberwürfel gefunden hatte. Ich weiß es nicht.

    Wenn man die Bremsspur sah und die Reifenspuren in der Böschung, dann war uns allen klar was für ein großes Glück wir als nachfolgende Autos auch hatten, dass der Wagen nicht zurück auf die Fahrbahn gerutscht ist. Das hätte auch anders enden können.

    Aus den Online-Medien weiß ich, dass der Fahrer des blauen LKWs aus seinen Fahrerhaus von der Feuerwehr herausgeschnitten werden musste. Aber, und das möchte ich lobend erwähnen, das mit der Rettungsgasse hat funktioniert.

    Was mich nun beschäftigt und vermutlich nicht schlafen lässt?

    1.) Selbst das Warndreieck und die klar sichtbaren Fahrzeuge mit Warnblinkanlage auf dem Randstreifen brachten die Autos auf unserer Seite nicht dazu langsamer zu werden.
    Einerseits gut, andererseits schlecht.

    2.) Wenn die Gaffer nicht gewesen wären, hätte es den blauen LKW auf der Gegenspur nicht zerrissen und alle hätten ungestört weiterfahren können. Warum muss die Menschheit denn sooooo neugierig sein?

    3.) Wird mir erst jetzt bewusst: Was hatten wir für ein großes Glück, das der zweite und dritte Unfall nicht auf unserer Seite passiert sind. Wie oft hört man dass folgender Verkehr Helfer erfasst oder ein Folgeunfall in den ersten hineinrast.

    In diesem Sinne: Wenn Ihr nicht helfen könnt oder wollt, FAHRT VERDAMMTNOCHMAL EINFACH WEITER und verursacht nicht noch schlimmeres!

  • Organspende – ein wichtiges und endlich auch wieder aktuelles Thema

    Organspende – ein wichtiges und endlich auch wieder aktuelles Thema

    Das Thema Organspende ist seit letzter Woche wieder in aller Munde, da unser Gesundheitsminister Jens Spahn auch hier einen Vorstoß wagt. So sehr auch über Ihn und seine Ansichten öffentlich und hinter vorgehaltener Hand gelästert wird, ich finde es toll, dass sich endlich ein Minister traut das Gesundheitswesen anzupacken.

    Das Spanienkind, das gerne länger an einem Thema rumüberlegt und wochenlang Fragen stellt, beschäftigt sich schon lange damit und so hatte ich mit meiner Nachbarin zufällig darüber gesprochen, weil sie Ärztin ist und Ihr Mann außerdem transplantiert. Und so quatschten wir uns an einem der schönen Sommerabende stundenlang auf Ihrem hübschen Balkon zu dem Thema fest. Ich erfuhr sehr viele interessante Sachen die mir so auch nicht bekannt waren. Und da sie als Geschäftsführerin der Sächsischen Landesärztekammer sowieso regelmäßig Vorträge in Schulen darüber hält, bot sie an mir und meinen beiden Großen Ihren Vortrag mal zu halten.

    So war ich also letzte Woche mit der TT und dem Spanienkind wieder bei Patricia auf dem Balkon um noch mehr zu dem Thema zu lernen, denn die Kommentare unter den Berichten in den Social-Media-Kanälen sind ab und an zum haareraufen. Bei dem Unwissen und den vielen falschen Informationen die da unterwegs sind, wundert es mich nicht, dass wir in Deutschland die niedrigste Bereitschaft zur Organspende aufweisen.

    Deutschland hat über 80 Millionen Einwohner. ca. 10.000 davon warten auf ein Spenderorgan. Aber ungefähr alle 3 Tage stirbt Jemand weil sich kein passendes Organ gefunden hat. Jährlich haben wir ca. 900.000 Sterbefälle,  davon können lange nicht viele spenden. Aber wir haben 2017 gerade mal 797 Menschen gehabt, die nach Ihrem Tod Organe gespendet haben.


    Es wird vor allem VIEL ZU WENIG darüber gesprochen!

    Hast Du dich schon mal gefragt ob Du bei einer lebensgefährdenden Krankheit ein Organ annehmen würdest? Würdest du spenden wollen nach Deinem Tod? Und wenn ja was? Und hast Du schon mal darüber mit Deiner Familie gesprochen? Wüsstest Du was Deine Eltern wollen im Fall der Fälle?

    Von 284 Gesprächen die mit Angehörigen nach dem Tod eines Menschen OHNE Spenderausweis stattfanden, wussten diese 70 mal gar nicht was der Verstorbene gewollt hätte. Diese Organe konnten also nicht weitergegeben werden, also nicht ca. 210 Menschen das Leben retten. Das ist doch superärgerlich!
    Wir haben auch gelernt, dass Jugendliche ab 14 Jahren festlegen dürfen falls sie nicht spenden möchten und ab 16 Jahren können sie einwilligen oder die Entscheidung an Jemanden übertragen. UND, der GG darf als Diabetiker DOCH einige Organe spenden.

    Niemand muss sich Sorgen machen

    In Deutschland haben sehr viele Angst, dass nach dem feststellen des Hirntod einfach der Patient nur noch als möglicher Spender gesehen wird. Das ist aber totaler Quatsch! Es gibt ein sehr strenges Transplantationsgesetz in dem mit deutscher Gründlichkeit ganz genau festgelegt ist
    • WER als „nächster Angehöriger“ entscheiden darf, was denn nun mit den Organen passiert falls es keinen Spenderausweis gibt.
    • WIE festgestellt wird ob der Patient wirklich Hirntod ist. Verschiedene Tests, Untersuchungen und festgelegte Wartezeiten müssen eingehalten werden.

    (Für genauere Informationen hinterlass mir einfach einen Kommentar unter diesem Beitrag, oder schick mir eine Mail, dann sende ich dir weitere Informationen gerne zu)

    Und wie erklärt man die Reaktionen die bei der Entnahme vorfallen?

    Das Internet ist voll von Berichten über Patienten die in der Wartezeit, nach erstem feststellen des Hirntod, oder während der Entnahme körperliche Reaktionen wie Bewegungen von Extremitäten, Schwitzen, ja auch Erektionen gezeigt haben. Das ist aber völlig Normal, denn diese werden von Teilen des Nervensystems ausgelöst, die sich außerhalb des Gehirns befinden. Nämlich im Rückenmark und dem vegetativen Nervensystem. Daher werden auch zur Entnahme Narkosemittel und Muskelentspannende Mittel verabreicht.

    Ohne das Hirn ist der Mensch einfach nicht lebensfähig. 2015 wurde die Hirntodrichtlinie verschärft. Es kann gar keine Fehldiagnosen geben. Zwei Fachärzte müssen unabhängig voneinander den Hirntot bestätigen.

    Den gesamten Organspendeprozess begleitet übrigens IMMER, in jedem Einzelfall, eine unabhängige Organisation. Wenn es wirklich zu einer Organspende kommt wird die Deutsche Stiftung Organtransplantation informiert, die dann Fachpersonal in die entsprechende Klinik schickt.

    Wie hat schon Yoda in „Star Wars – Das Imperium schlägt zurück“ gesagt:

    „Der Tod ein natürlicher Bestandteil des Lebens ist!“

     

    Vielen vielen Dank liebe Patricia Klein von der Landesärztekammer. Das war ein sehr interessanter Abend. Du steckt so tief und mit der perfekten Einstellung in dem Thema wie keine Andere! 🙂

    Es gibt zwei Sätze, welche sich in meinem Hirn am stärksten verankert haben:

    „Ich spende lieber, bevor es die Würmer nach der Beerdigung kriegen …!“

    „Ist es nicht das größte Geschenk ein solches Geschenk machen zu können? Leben zu schenken!“

    ACHTUNG: Wichtig ist auch, was in der Patientenverfügung steht. Denn wenn du die Organe spenden, aber keine lebensverlängernden Maßnahmen möchtest, sollte das unbedingt vermerkt sein, damit diese Stunden zusätzlich beachtet werden.

    Egal ob du spenden möchtest oder nicht … HIER kannst du einen Spenderausweis bekommen, der erspart Deinen Angehörigen diese Entscheidung für Dich treffen zu müssen.

    In diesem Sinne: Ich habe der TT und dem GG gerade welche bestellt.

Consent Management Platform von Real Cookie Banner